Es wird nicht lustig - PRO von Karin Bauer

Wir brauchen keine Quoten, weil sich die Teilhabe der Frauen evolutionär entwickelt? Wenn man gerne mehrere Inkarnationen abwarten und sich in der Zwischenzeit über Begriffe wie "Rabenmutter" und "Karrierefrau" ergehen möchte, dann ist das sicher richtig.

Von allen anderen Standpunkten aus gesehen ist es falsch. Wir brauchen Quoten, besser: Wir brauchen eine Quotendiskussion. In einem Land, in dem das Geschlecht die Karriere (und ihre Limits) noch definiert, bei uns, wo Frauen ein Drittel weniger verdienen als Männer und traditionelle Rollenklischees so fürsorglich gepflegt werden. Bei uns, wo den Mädchen die weiblichen Rollenvorbilder in Naturwissenschaft und Ingenieurswissenschaften fehlen.

Es stimmt, Quoten sind beschämend. Aber nicht für die Frauen, die dann womöglich auf ihr "Quotenticket" reduziert werden. Beschämend sind sie für den Zustand der Gesellschaft, die ihrer offenbar bedarf. Das Killerargument, man finde ja leider, leider keine qualifizierten Frauen, sticht nicht. Zumindest noch nicht.

Reden wir über Quoten und schauen uns dann an, wo die Qualifikationen liegen. Die Statistik der Hochschulabsolventinnen spricht jetzt schon dagegen, dass sich Frauen erst "entwickeln" müssten. Führen wir die Diskussion über Quoten und mit ihr jene über die Notwendigkeiten echter Familienunterstützungspolitik. Das wird garantiert nicht lustig. Aber wer will denn uns Frauen versprechen, dass der Weg zu gerechter Teilhabe lustig wird?

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Keine Quotenbünde - KONTRA von Luise Ungerboeck

Frau braucht nicht die jüngsten Personalentscheidungen im Gewerkschaftsbund herzunehmen, um zu erkennen, wes Geistes Söhne die selbsternannten Frauenversteher unter Österreichs Politikern und Entscheidungsträgern sind. Jene Apparatschiks, die sich am öftesten (und am öffentlichsten) für Frauenquoten und Gleichberechtigung einsetzen, denken in ihren eigenen Organisationen nicht im Traum (auch nicht im illuminiertesten Zustand) daran, ihren Kolleginnen die gleichen Chancen auf Führungspositionen zu geben.

An dieser jahrhundertelang gepflegten Tradition wird auch die Einführung von Quotenregelungen nichts ändern. Denn wenn Herren mit Macht und Einfluss von den segensreichen Wirkungen von Frauenquoten schwärmen, offenbaren sie lediglich zweierlei: erstens, dass sie Zwang brauchen, um Frauen bei Stellenbesetzungen auch nur ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Und zweitens, dass sie jene Frauen, denen sie die Tür in ihre Machtzirkel öffnen (müssen), wenigstens auch punzieren können.

Die Quotenfrau – das gesetzlich geforderte Wesen. Da stellt sich wohl die Frage, ob es Erniedrigenderes gibt als die Gewissheit, nicht (in erster Linie) aufgrund der Qualifikation ausgewählt worden zu sein, sondern weil es sich nicht vermeiden ließ. Da schon lieber eine aus eigenen Stücken in der zweiten Reihe gestoppte Frau als eine, die wie ein Männerbündler in die erste Reihe gehievt wird und dort als leibhaftige Quote verbandelt ist. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.12.2008)