Alexander Korda 1893-1956

Foto: Filmarchiv

Wien - 1941 wird in Hollywood ein Film gedreht: Es ist die Aufbereitung eines britischen Nationalmythos, das aktuelle britische Traumpaar auf und abseits der Leinwand, Vivien Leigh und Laurence Olivier, spielt die Hauptrollen - Lady Hamilton und Lord Nelson.

Der Regisseur des Films ist der Ungar Alexander Korda, dessen Bruder Vincent verantwortet das Produktionsdesign, hinter der Kamera steht mit Rudolph Maté ein Landsmann. Co-Autor ist der Wiener Walter Reisch und der Komponist der aus Polen stammende Miklós Rósza. Nicht alle arbeiten zu diesem Zeitpunkt freiwillig als Exilanten.

Der Regisseur und Produzent jedoch, 1893 als Sándor Lászlo Kellner geboren, hat Internationalität für sich längst zu einer Art Erfolgsformel gewendet: Korda hatte sich in seiner Heimat bereits als Filmregisseur und -funktionär etabliert. 1919 musste er Ungarn aus politischen Gründen verlassen, anschließend arbeitete er zunächst in Wien und in Deutschland, in Hollywood und in Frankreich.

Auftrieb für Industrie

1931 schließlich ließ er sich in England nieder, ein Jahr später gründete er die Produktionsfirma London Film Productions, und bereits 1933 glückte ihm mit The Private Life of Henry VIII. ein für damalige Zeiten beachtlicher Kassenerfolg - auch am internationalen Markt. Darüber hinaus erwies sich der Historienfilm mit Charles Laughton in der Titelrolle auch als eines jener "Filmwunder" , die einer ganzen Nationalkinematografie wieder Auftrieb gaben.

Und auch wenn Korda in späteren Jahren manche künstlerische und ökonomische Misserfolge zu verbuchen hatte, so hat er mit eigenen Arbeiten sowie mit Filmen wie The Scarlet Pimpernel (1934), Der Dieb von Bagdad (1940) oder Produktionen von Carol Reed, Michael Powell und Emeric Pressburger wesentlich zum britischen Kino beigetragen.

Die Retrospektive des Filmarchiv Austria versammelt nun insgesamt 37 Arbeiten Kordas, entstanden zwischen 1918 (Der rote Halbmond, noch in Ungarn) und 1956 (Laurence Oliviers Richard III., wieder in Großbritannien). Seine Frau, die ungarische Schauspielerin Maria Corda, ist unter anderem in Das unbekannte Morgen, einer deutschen Produktion aus dem Jahr 1922 zu sehen: ein hintergründig konstruiertes Liebes- und Eifersuchtsdrama, das unter anderem Kordas dramaturgisches Talent zeigt - nicht umsonst hat er angeblich den Beruf des Dramaturgen im Filmgeschäft eingeführt.

In dieser kunstvoll verschachtelten und fotografierten Erzählung kann die Gegenwart aus einer Rückschau in die Vergangenheit und aus einer Zukunftsvision eine positive Lehre ziehen. In einer von Kordas berühmtesten Produktionen, dem auf H.G. Wells' Roman basierenden Things to Come (1936) geht es dagegen um einen Science-Fiction-Entwurf, der wiederum die reale nahe Zukunft des "Blitz" unheimlich vorwegnimmt.

Auch im Historienfilm That Hamilton Woman wird die Geschichte als große Rückblende, als wehmütige Erinnerung der gealterten, verarmten Lady Hamilton in Gang gesetzt. Die Rückschau auf Alexander Kordas Arbeit ist von 5. Dezember bis 7. Januar im Wiener Metro-Kino zu sehen. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.12.2008)