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In Russland gelten Prestige und Preis als Zeichen für Qualität: Coaching ist so unterschiedlich wie die nationalen Kulturen an sich.

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Coaching ist stark von der Kultur geprägt: die Schwierigkeiten, international gültige Qualitätskriterien im interkulturellen Kontext zu definieren, und die Herausforderung von Cross Cultural Coaching.

"Wenn es nicht viel kostet, dann kann es auch nicht viel wert sein", so werde laut Nina Marvalics, Ost- Managerin von Harramach & Partner, die Qualität von Coaching in Russland bewertet. Abgesehen vom Preis ist auch ein reiferes Alter ein Qualitätsmerkmal. Beim Ablauf des Coachings wäre der Coachee irritiert, wenn nicht genaue Anweisungen und Tipps gegeben werden würden. Er würde so ein Vorgehen als Unwissenheit interpretieren, die genaue Begrenzung auf 50 Minuten für äußerst unhöflich und kontraproduktiv halten.

"All Coaching is local"

Eindeutige Qualitätskriterien für Coaching festzulegen ist schon in Österreich nicht einfach, international gültige Leitlinien zu finden so gut wie unmöglich. "Coaching ist eben so unterschiedlich wie die nationalen Kulturen an sich. Die Definition und auch der Anspruch wird stark vom Managementverständnis und der Beziehungsorientierung der Länder beeinflusst", erklärt Marvalics. Auch Unterscheidungen zwischen Coa-ching, Beratung und Training werden nicht immer so eindeutig getroffen, wie dies in Österreich der Fall ist. Der Entwicklungsgrad und die Professionalisierung in den osteuropäischen Ländern hänge stark von der Tradition ab, sie seien aber generell am Aufholen.

Für Coaching im internationalen Kontext stelle die Klärung dieser Unschärfen die wichtigste Herausforderung da, damit diese Leistung auch sinnvoll eingesetzt werden kann. "Man darf nicht einfach das österreichische Programm und den Anlass für Coaching auf andere Länder überschreiben, das funktioniert nicht", ergänzt Marvalics.

Coaching im interkulturellen Kontext heiße meist Hilfe geben, das zu verstehen, was man nicht verstehen kann. Um diese kulturellen Unterschiede zu überwinden, müssen interkulturelle Coaches von beiden Kulturen etwas verstehen. Auch ein Doppelcoaching könne dabei Erfolge bringen.
Zuerst müsse aber auch bei Kunden das Bewusstsein gestärkt werden, das Coaching in einem anderen Umfeld auch was anderes bedeuten könne. (Gudrun Ostermann/DER STANDARD; Printausgabe, 6./7./8.12.2008)