Frage: Warum wirkt sich die Leitzinssenkung negativ auf Sparer aus?

Antwort: Der Leitzins, den die Europäische Zentralbank festsetzt, beeinflusst den Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld borgen. Sie orientieren sich dabei am Euribor (European Inter Bank Offered Rate). Sinkt dieser Referenzzinssatz, geben die Banken das an die Kunden - in diesem Fall an die Sparer - weiter. Er liegt derzeit bei 3,56 Prozent. Jene Banken, die ihre Anpassungen bereits bekannt gegeben haben, nehmen die Sparzinsen aber nicht in der vollen Höhe der Leitzinssenkung (0,75 Prozentpunkte) zurück, sie reduzieren um rund 0,6 Prozentpunkte.

"Kunden und Bankberater müssen aber lernen, dass die Hochzinsphase vorbei ist", sagt ein Banker zum STANDARD. Ab Mitte 2009 wird laut Experten bei den Sparzinsen nur noch ein Zweier vor dem Komma stehen.

Frage: Wie stark werden die Kreditnehmer die veränderte Zinslandschaft spüren?

Antwort: Für Kreditnehmer bedeutet eine Senkung des Leitzinses prinzipiell eine Verbilligung der Kredite - sofern sie nicht fix verzinst sind. Bei fix verzinsten Krediten ändert sich die Höhe der Zinsen während der gesamten Laufzeit nicht. Bei variabel verzinsten Ausleihungen regelt die Zinsgleitklausel die Anpassungen (die sich ebenfalls am Euribor orientieren) nach unten und oben - und zwar ein Mal pro Quartal. Ob die jetzige Zinssenkung voll an die Kunden weitergegeben wird, hängt laut Experten von den Refinanzierungskosten der Banken ab. Bleiben die Ausleihungen am Geldmarkt teuer, kann es sein, dass die Konsumenten und Unternehmen nur teilweise oder gar nicht von der Lockerung der Geldpolitik profitieren.

Frage: Kann ein bestehender Kredit mit fixen Zinsen gegen einen neuen Kredit getauscht werden, der dann eventuell besser verzinst ist?

Antwort: Nein. Wer einen fix verzinsten Kredit hat, kann nicht umsteigen. Trost: Die meisten Fixzinskredite werden nach einer bestimmten Laufzeit ohnehin in variabel verzinste Verträge umgewandelt, die sich den Marktkonditionen anpassen. Als Faustregel gilt: Steigen die Zinsen ist es besser, einen fixen Zinssatz vereinbart zu haben. Bei sinkenden Zinsen - wie jetzt - ist hingegen ein variabler Zinssatz von Vorteil.

Frage: Warum gibt es derzeit bessere Sparzinsen für kurze Laufzeiten als für längerfristig gebundenes Geld?

Antwort: Da die Leitzinsen zur Konjunkturankurbelung im Sinkflug sind, stellen sich die Banken darauf ein und geben nur für kurze Frist hohe Zinsen. Das spiegelt sich auch an den Kapitalmärkten wider, an denen kurz- und mittelfristige Einlagen im Moment höher Renditen abwerfen als längerfristige ("inverse Zinskurve"). "Momentan ist vieles anders", kommentiert das ein Banker. Eine inverse Zinskurve hat es in den vergangenen fünf bis zehn Jahren nicht gegeben.

Frage: Können Zinsen bei Banken auch verhandelt werden?

Antwort: Ja. Bei Sparkonditionen sind die Verhandlungschancen umso besser, je mehr Geld man veranlagen will. Wer schon länger Kunde der Bank ist und bereits mehrere Dienste der Bank (etwa ein Wertpapierdepot) in Anspruch nimmt, hat ebenfalls bessere Karten. Im Kreditbereich gilt die Formel: Je mehr Sicherheiten ein Kreditnehmer anbieten kann, desto billiger die Konditionen. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.8.12.2008)