Bevor wir uns dem Namenspatron des heutigen Tages, Herrn Nikolaus von Myra, zuwenden, wollen wir kurz unser Valpolicellaglas auf einen der coolsten Regisseure erheben, den das Kino je hervorgebracht hat: Sergio Corbucci, dessen Geburtstag sich am 6. Dezember zum 81. mal jährt. Als ich 1966 in Timelkam die Aushangfotos zu Corbuccis Western "Django" sah, wußte ich, dass ich diesen Film sehen musste. Und so schlich ich mich als Elfjähriger trotz Jugendverbots ins Kino und erlebte Franco Nero als wortkargen Django, der gemütlich einen Sarg hinter sich herzog und mit seinem Maschinengewehr alle Schurken aus dem Weg räumte. Ja, so einen Django würde man sich heute an so mancher Börse wünschen, was natürlich nur metaphorisch gemeint ist, wobei man den Titel eines anderen Corbucci-Films - "Fahrt zur Hölle, ihr Halunken!" - dem einen oder anderen Finanzhai auch direkt ins Gesicht sagen könnte.

Aber nicht nur Django, auch Nikolaus von Myra liefen immer wieder Ganoven über den Weg. So kehrten einmal in ein Gasthaus drei hungrige Scholaren ein, die der Wirt kurzerhand schlachtete und deren Fleisch er einpökelte. Herrn Nikolaus gefiel das aber gar nicht, und er erweckte die Burschen wieder zum Leben. Trotz dieser schrecklichen Tat eines fleischhackenden Gastronomen ist Nikolaus von Myra aber nicht nur Patron der Kinder, Jungfrauen und Chorknaben, sondern auch der Metzger und Wirte.

Interessant ist übrigens, dass zwar Bettnässer (Vitus), Abstinenzler (Johannes der Täufer) und Mattenflechter (Paulus von Theben) Patrone haben, nicht aber Kapitalisten. Woran das wohl liegen mag? Vielleicht gibt Karl Marx eine Antwort:

"Wenn das Geld mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt, dann das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren blut- und schmutztriefend. Man sagt, Kapital flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. 10 Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens."
(Kurt Palm/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7./8.12.2008)