Frankfurt - Die Deutsche Börse und der weltgrößte Börsenkonzern New York Stock Exchange Euronext (NYSE) haben sich nicht auf eine Fusion einigen können. Die Deutsche Börse bestätigte am Sonntag, strategische Gespräche mit den Amerikanern geführt zu haben. Diese seien aber ohne Ergebnis beendet worden. Der "Spiegel" hatte berichtet, die Deutsche Börse wolle sich mit der NYSE Euronext zusammentun. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni habe im Vorstand ein 13-seitiges Arbeitspapier dazu präsentiert. Das Thema wird wohl auch bei der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Börse am Montag eine Rolle spielen.

Die Deutsche Börse erklärte, sie habe regelmäßig Kontakt zu unterschiedlichen potenziellen Partnern, darunter auch zur NYSE. "Solche Gespräche dienen der laufenden Überprüfung aller strategischen Optionen. Soweit solche Gespräche mit der NYSE geführt wurden, sind diese aber ohne jedes Ergebnis beendet", teilte die Börse mit. Gründe dafür nannte sie nicht.

Großer Verlierer

Vor zwei Jahren erst waren die Frankfurter mit ihrem Plan eines Zusammenschlusses mit der Euronext gescheitert. Stattdessen war die New York Stock Exchange zum Zug gekommen. Die Deutsche Börse galt nach dem Scheitern der Euronext-Fusion als großer Verlierer der Börsenkonsolidierung. Bereits vor acht Jahren waren Pläne einer Fusion mit der Londoner Börse zu einer europäischen Superbörse geplatzt.

Sowohl die Aktien von Nyse Euronext als auch die der Deutschen Börse sind in diesem Jahr mächtig unter Druck geraten: Seit Jahresbeginn haben die Papiere des transatlantischen Börsenbetreibers 75 Prozent auf zuletzt 21,40 Dollar verloren, die der Deutschen Börse 63 Prozent auf 50,47 Euro. Analysten machen dafür die langsamer wachsenden Umsätze an den Börsen und die Konkurrenz durch alternative Handelsplattformen wie Chi-X oder Turquoise verantwortlich. Nach Reuters-Daten ist die Deutsche Börse derzeit am Markt 9,8 Milliarden Euro wert, bei NYSE Euronext sind es rund 4,4 Milliarden Euro.

Das Thema mögliche Megafusion wird mit Sicherheit auch bei der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Börse am Montag diskutiert werden. "Der Aufsichtsrat ist nicht informiert worden. Herr Francioni wird mit Sicherheit Fragen dazu beantworten müssen", sagte Aufsichtsratsmitglied Johannes Witt am Samstag zu Reuters. Das Gremium will über die Nachfolge von Oberaufseher Kurt Viermetz beraten, der Rücktrittsforderungen der mit rund 20 Prozent an der Börse beteiligten Hedgefonds nachgegeben hat. Medienberichten zufolge ist der ehemalige Daimler-Finanzchef Manfred Gentz Favorit für seine Nachfolge.

Auf den neuen Aufsichtsratschef warten 2009 große Herausforderungen: Der Frankfurter Börsenbetreiber ist seit Monaten mit seinen Großaktionären TCI und Atticus im Clinch - unter anderem gab es Spekulationen um eine geforderte Zerschlagung des Konzerns. Das Management hält aber bislang demonstrativ an seinem Geschäftsmodell mit den Bereichen Aktienhandel, dem Wertpapierabwickler Clearstream und der Terminbörse Eurex fest.

Dem "Spiegel" zufolge wollten die beiden Konzerne eine Holding in den Niederlanden gründen, die den Aktionären der Deutschen Börse ein Übernahmeangebot machen soll. In einem zweiten Schritt sollte NYSE Euronext mit einer US-Tochter der niederländischen Firma fusionieren. Francioni wäre Chairman der transatlantischen Börse geworden, sein NYSE-Kollege Duncan Niederauer sei als Vorstandschef vorgesehen. Der Aktienhandel sollte von New York aus gesteuert werden, mit europäischen Standorten in Paris und Frankfurt am Main. Das Derivategeschäft wäre aus Frankfurt, das Abwicklungsgeschäft wie bisher aus Luxemburg gesteuert worden. Ein NYSE-Sprecher sagte nur, sein Unternehmen kommentiere den Bericht nicht.

Der im Dezember 2006 vollendete Zusammenschluss von Nyse und Euronext hatte ein Volumen von rund 14 Milliarden Dollar. Zu der in New York sitzenden Megabörse gehören seitdem auch die Handelsplätze in Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon sowie die in London ansässige Derivatebörse Liffe. (Reuters)