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Gegenwind für Daniele Gatti

APA/EPA/JOERG CARSTENSEN

Rom - Die Scala sucht einen neuen Musikdirektor. Dreieinhalb Jahren nach dem Rücktritt von Riccardo Muti, der nach seiner Demission nicht mehr ersetzt worden ist, will Scala-Intendant Stephane Lissner einen Dirigenten ernennen, der mit ihm die Verantwortung für das Opernhaus tragen soll. Lissner geht davon aus, dass ein Musikdirektor dem Orchester mehr Stabilität garantieren könnte. Eine Entscheidung über den neuen Musikdirektor will Lissner Anfang 2009 treffen, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Mittwoch.

Drei Stardirigenten sind im Rennen um den prestigereichen Posten des Musikdirektors der Scala. Als aussichtsreichster Kandidat galt bisher der Mailänder Daniele Gatti, der jedoch bei der Saisoneröffnung mit Verdis "Don Carlo" am Sonntagabend ausgepfiffen worden ist und seitdem von der Presse scharf attackiert wird. Laut "Repubblica" ist das Scala-Orchester mit Gattis Kandidatur unzufrieden. Einige Mitglieder werfen ihm mangelndes Charisma am Podium vor und unterstützen die Kandidatur des jungen Dirigenten aus Venezuela, Gustavo Dudamel, der an der Scala bereits "Don Giovanni" und "La Boheme" dirigiert hat.

Im Rennen ist auch der englische Dirigent italienischer Abstammung, Antonio Pappano, Musikdirektor des Londoner Covent Garden und der römischen Accademia di Santa Cecilia. Weiterer Kandidat ist Leipzigs Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly, der erst vor wenigen Monaten seinen Vertrag in Deutschland bis 2015 verlängert hat.

Tenor-Troubles

Die  Scala findet auch sonst keine Ruhe. Intendant Lissner verlangt eine Entschuldigung des kurzfristig ausgetauschten Tenors Giuseppe Filianoti, der 24 Stunden vor der traditionellen Eröffnung der Opernsaison am Sonntagabend mit Giuseppe Verdis "Don Carlos" durch den Amerikaner Stuart Neill in der Hauptrolle ersetzt worden war. Filianoti war empört und sprach von einem "Dolchstoß aus dem Hinterhalt". Lissner erwiderte, Filianoti werde an keiner Scala-Aufführung mehr teilnehmen, sollte sich der Tenor nicht entschuldigen.

"Filianoti kann hier nicht singen, nach den Interviews, die er gegeben hat", so Lissner nach Angaben italienischer Medien vom Dienstag. Der italienische Tenor hatte einen Vertrag für sieben Aufführungen des Don Carlo. Nicht ausgeschlossen ist, dass er die Scala wegen Verletzung des Vertrags anzeigen könnte.

Nicht zum ersten Mal hat Lissner Probleme mit Startenören. Bei der zweiten Aufführung der "Aida" zu Beginn der Saison im Dezember 2006 war der italienisch-französische Startenor Roberto Alagna bei der von Film-Regisseur Franco Zeffirelli inszenierten Verdi-Oper mitten im Stück von der Bühne gestürmt, als im Publikum Pfiffe und Buhrufe laut wurden. Ein Kollege musste den Part spontan übernehmen und kam in Jeans auf die Bühne. Scala-Intendant Lissner löste daraufhin den Vertrag mit Alagna auf, der seitdem nicht mehr an der Scala aufgetreten ist. (APA)