Nairobi - Im südafrikanischen Krisenstaat Simbabwe hat Langzeit-Präsident Robert Mugabe laut Berichten Militär und Polizei in Alarmbereitschaft versetzen lassen. Die Maßnahme erfolge angesichts des wachsenden internationalen Drucks auf Mugabe zurückzutreten, hieß es. Die staatlichen Medien in Simbabwe machten unterdessen die Europäische Union für den Ausbruch der Cholera-Epidemie verantwortlich. Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF warnte vor einem sprunghaften Anstieg der Cholera-Erkrankungen in den nächsten Wochen.

Die Zahl der Cholera-Fälle könne möglicherweise auf 60.000 hochschnellen, sagte der UNICEF-Chef in der simbabwischen Hauptstadt Harare, Roeland Monasch, der BBC. Sollte sich die Epidemie drastisch verschlimmern, müsse mit weiteren 2.700 Todesopfern gerechnet werden. Mugabes Regime ist durch die verheerende Cholera-Epidemie in Simbabwe, der bisher schon 600 Menschen zum Opfer fielen, weiter unter Druck geraten. Der einstige Modellstaat steckt in der schlimmsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte, das öffentliche Gesundheitssystem ist so gut wie zusammengebrochen. Im Zuge der Hyperinflation solle demnächst ein neuer 200-Millionen-Geldschein in Umlauf gebracht werden, kündigte Finanzminister Samuel Mumbengegwi am Samstag an. Im Leitartikel der staatlichen Zeitung "The Sunday Mail" hieß es am Sonntag: "Der Ausbruch der Cholera ist ein anschauliches Beispiel für die Auswirkungen von Sanktionen auf unschuldige Menschen." Die Menschen, die am meisten litten, seien nicht die Politiker, die durch die EU-Sanktionen bestraft werden sollten, sondern "das arme Volk".

Dem Land würden Devisen vorenthalten, die dringend für den Kauf von Chemikalien zur Trinkwasserdesinfektion benötigt würden. Die EU-Außenminister werden nach Angaben der französischen Ratspräsidentschaft voraussichtlich am Montag die Sanktionen gegen die simbabwische Führung - Erklärung zu "unerwünschten Personen" und Einfrieren von Vermögen - verschärfen. Ein Sprecher von Mugabe attackierte insbesondere die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien und ihren Premier Gordon Brown, der die Cholera als Vorwand für die Anstiftung einer Invasion des Westens missbrauche. "Ich weiß nicht, worüber dieser verrückte Premierminister redet", sagt George Charamba der staatlichen Zeitung "Sunday Mail". Brown hatte Mugabes Regierung als "blutbeflecktes Regime" bezeichnet und ihr vorgeworfen, für die Cholera-Epidemie verantwortlich zu sein. Die Welt müsse Mugabe sagen: "Genug ist genug", erklärte Brown. Am Freitag hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice die Weltgemeinschaft zum Handeln aufgerufen, um Mugabe zu entmachten. Unterdessen sprach sich der kenianische Regierungschef Raila Odinga für die Entsendung von Truppen der Afrikanischen Union (AU) nach Simbabwe aus, um die Krise zu beenden. Er habe den AU-Vorsitzenden, den tansanischen Präsidenten Jakaya Kikwete aufgefordert, einen Sondergipfel zu Simbabwe einzuberufen und Truppen nach Simbabwe zu entsenden, sagte Odinga nach Berichten vom Montag.

"Die internationale Gemeinschaft muss auf den Ruf der afrikanischen Menschen reagieren und helfen, die mörderische Herrschaft Mugabes zu beenden." Odinga hatte bereits in der vergangenen Woche nach einem Treffen mit dem simbabwischen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai erklärt, die afrikanischen Regierungen müssten Mugabe ächten und ihm keine andere Wahl als den Rücktritt lassen. Die Bemühungen um eine Teilung der Macht zwischen Mugabe und Tsvangirai seien gescheitert. Eine Gruppe von Elder Statesmen, denen Mugabe den Zutritt ins Land verwehrt hat, äußerte "Enttäuschung" über den früheren Unabhängigkeitsführer. Die Regierung des Landes im Süden Afrikas habe "nicht die Fähigkeit an den Tag gelegt, das Land aus der derzeitigen Krise herauszuführen", erklärte der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan am Sonntag. Die Bildung einer Einheitsregierung müsse "beschleunigt" werden, die Nachbarstaaten müssten sich verstärkt einmischen. Der Erzbischof von York, John Sentamu, einer der höchsten Würdenträger der anglikanischen Kirche, rief direkt zum Sturz Mugabes auf. Dieser und sein Regime müssten aus dem Amt gedrängt und vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebracht werden, schrieb Sentamu in der britischen Sonntagszeitung "The Observer". (APA/dpa/AFP/Reuters)