Wien - Ein "Agrarland Österreich, das international herzeigbar ist" - dieses Ziel hat sich der neue Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich (V) für seine Amtszeit gesetzt. Er wolle sich für eine Landwirtschaft einsetzen, die "ökologisch und nachhaltig wirtschaften" könne und "diesen Weg auch nach Europa tragen", sagte er im Interview mit der APA. Das finde auch gesellschaftlich Akzeptanz. Das Schlagwort "Feinkostladen" sei "kein Schlagwort", sondern "Wahrheit".

Milchstandort absichern

Als größte kurzfristige Herausforderung sieht der neue Agrarminister die Konsequenzen für die heimischen Bauern aus dem EU-Gesundheitscheck, vor allem für die Milchbauern. "In erster Linie geht es darum, den Milchstandort Österreich abzusichern", sagte Berlakovich. Man dürfe nicht vergessen, dass Österreichs Bauern zu zwei Drittel im Berg- bzw. benachteiligen Gebiet wirtschaften - unter viel schwierigeren Bedingungen als im Flachland oder in einer großbetrieblichen Struktur. Ohne Förderungen könnten sie auf den Märkten nicht bestehen.

Herausforderung: Vorbereitung auf Reform der EU-Agrarpolitik 2013

Langfristig sieht der neue Landwirtschaftsminister die größte Herausforderung in der Vorbereitung Österreichs auf die Reform der EU-Agrarpolitik ab 2013. Er wolle "rechtzeitig mit der Diskussion beginnen", um dann die Position Österreichs entsprechend stark in Brüssel einbringen zu können. Insgesamt gehe es darum, die Wettbewerbsfähigkeit, Innovations- und Investitionskraft der Landwirtschaft und deren zentrale Funktion, nämlich Ernährungssicherheit und Lebensmittelproduktion, zu erhalten.

Auch in Richtung Konsumenten will Berlakovich aktiv werden. Diese sollen "den Wert einer gesunden, hochwertigen Ernährung erkennen" und verstehen, "dass unsere Bauern den Tisch der Bevölkerung decken", sagte er zur APA. Die Bevölkerung solle wissen, "dass die Bauern die natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Luft und Wasser im Interesse der Gesellschaft erhalten, den Liebreiz unserer Landschaft, die Einzigartigkeit der österreichischen Natur- und Kulturlandschaft - und das letztlich für die Lebensqualität der Menschen wichtig ist", kam der Neo-Minister ins Schwärmen.

"Demnächst in die Bundesländer fahren"

Nicht verlieren will Berlakovich den Kontakt zu den Menschen. "Ich habe vor, schon demnächst in die Bundesländer zu fahren, damit ich ein Gefühl bekomme, wie es den Bauern geht", sagte er. Als Agrar-und Umweltlandesrat sei es sicherlich leichter gewesen, den "Kontakt zur Basis" aufrecht zu erhalten. Er hoffe, dass ihm das auch als Minister gelinge.

Künftigen Budgetverhandlungen mit Finanzminister Josef Pröll (V) blickt Berlakovich gelassen entgegen. Zum einen biete das Regierungsprogramm eine "ausgezeichnete Basis", um den Bauern eine Zukunft zu geben. Zum anderen sei es ein Vorteil, dass Pröll aus dem Agrarbereich komme, Landwirtschaftsminister war und damit die Probleme der Bauern kenne. "Ich gehe also schon davon aus, dass es ein solide Finanzierung der Programme gibt - im Bewusstsein, dass viele Wünsche an Pröll als Finanzminister herangetragen werden".

Selbst sieht sich Berlakovich als jemand, der "ziel- und ergebnisorientiert arbeitet" und "das Beste herausholen möchte". "Ich mache Politik mit großer Leidenschaft und vollem Einsatz", betonte er. Kraft holt er sich vor allem aus der Familie und seiner Heimat - wenn er "die Erde spürt und die Natur riecht". Nur sein Hobby, das Fußball spielen, komme derzeit zu kurz. (APA)