Jerusalem - Den UN-Hilfswerken im Gazastreifen drohen in den nächsten Tagen die Lebensmittel für bedürftige Palästinenser auszugehen. Israel setzte am Sonntag seine Blockade gegen ein Boot durch, das von Tel Aviv aus mit Versorgungsgütern nach Gaza fahren wollte. Auch eine Lastwagenladung wurde abgefangen, wie Polizeisprecher Micky Rosenberg mitteilte. Laut Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) droht wegen der israelischen Blockade zudem der Zusammenbruch des Bankensystems im Gazastreifen.

Die Lage im von der radikalislamischen Hamas-Organisation Hamas kontrollierten Autonomiegebiet steht mittlerweile in deutlichem Kontrast zu der im Westjordanland, wo Präsident Mahmoud Abbas und seine Fatah-Organisation die Kontrolle haben. Nach sechs Jahren lockerte Israel am Samstag die Reisebeschränkungen für die Bewohner der Stadt Nablus. Palästinensische Männer und Frauen über 50 Jahre dürften die Stadt von nun an ohne vorherige Genehmigungen der israelischen Streitkräfte mit ihren eigenen Fahrzeugen verlassen, hieß es.

Die meisten Bewohner von Nablus konnten in den vergangenen sechs Jahren nur zu Fuß und über israelische Kontrollposten aus der Stadt gelangen. Für eine Autofahrt nach draußen mussten sie eine Erlaubnis beim israelischen Militär beantragen. Am Samstag ließen die Soldaten sogar alle Palästinenser in Fahrzeugen durch, nicht nur die älteren über 50 Jahre. Es folgte ein Ansturm, weil viele Palästinenser die plötzliche Reisefreiheit genießen wollten. Taxifahrer erklärten, Soldaten hätten ihnen gesagt, es handele sich um eine Geste des guten Willens.

Im Gazastreifen leben inzwischen die meisten der 1,4 Millionen Einwohner in totaler Armut. Von UN-Hilfswerken wurden bisher 750.000 mit Lebensmitteln versorgt. Bereits im vergangenen Monat gab es wegen der Blockade Versorgungsengpässe.

Nach israelischen Angaben schlugen am Sonntag wieder acht Raketen und Mörsergranaten in Südisrael ein. Sie hätten keinen Schaden angerichtet. Auf diesen andauernden Beschuss südisraelischer Städte aus dem Gazastreifen hat die Regierung in Jerusalem mit der Blockade reagiert. Olmert bekräftigte auf der Kabinettsitzung am Sonntag, Israel werde den Beschuss nicht hinnehmen. Konkrete Schritte über die Blockade hinaus kündigte er nicht an.

Die Polizei unterband unterdessen den ersten Versuch, mit einem Boot von Israel aus die Blockade zu durchbrechen. Die Fahrt wurde von israelischen Arabern geplant. Die rund 100 Passagiere wollten nach eigenen Angaben Medikamente, Lebensmittel und Spielsachen nach Gaza bringen. Von Zypern aus haben bisher internationale Aktivisten drei Mal die Blockade durchbrochen. Ein libysches Schiff wurde in der vergangenen Woche indes von der israelischen Kriegsmarine zurückgewiesen.

Weltbank und IWF erklärten, Banken im Gazastreifen könnten wegen Bargeldmangels kollabieren, "Die Liquiditätskrise könnte zu einem Zusammenbruch des Systems der Geschäftsbanken im Gazastreifen führen", hieß es. (APA/AP)