Mogadischu - Die "Operation Atalanta" europäischer Kriegsschiffe richtet sich gegen Piraten vor der somalischen Küste. Die Zahl der Attacken am Horn von Afrika hat in diesem Jahr ein Rekordnivau erreicht. Nach Angaben des International Maritime Bureau (IMB) haben Seeräuber seit Jahresbeginn im Golf von Aden und im Indischen Ozean fast 100 Schiffe angegriffen, während es im Vorjahr nur 26 waren. Die Gewässer vor Somalias rund 3.700 Kilometer langer Küste gehören damit zu den gefährlichsten der Welt.

Die Seeräuberei hat in dem Küstenstaat Tradition, doch was sich heute auf hoher See vor Somalia abspielt, hat nicht mehr viel mit den vergleichsweise simplen Überfällen der 80er Jahre zu tun. Damals raubten einfache Fischer die Besatzungen ausländischer Schiffe aus, denen sie illegalen Fischfang in somalischen Gewässern vorwarfen. Heute dagegen gehen die Seeräuber bestens organisiert, mit Schnellbooten und schwer bewaffnet auf Beutezug, nicht einmal riesige Schiffe wie der 330 Meter lange Supertanker "Sirius Star" sind mehr vor ihnen sicher.

Lukrative Aktivitäten

Mitte 2006 macht die Piraterie vor Somalia vorübergehend kaum noch Schlagzeilen, denn damals herrscht für ein halbes Jahr die Union der Islamischen Gerichtshöfe, die mit eiserner Hand die Region im Landesinneren und im Süden unter ihre Kontrolle zwingt. Nach dem Sturz der Islamisten Ende 2006 aber wenden sich die Seeräuber rasch wieder ihren lukrativen Aktivitäten zu - im April dieses Jahres lenken dann zahlreiche spektakuläre Überfälle den Blick der Weltöffentlichkeit auf das Treiben vor der Küste Somalias. Dazu gehören der Angriff auf den französischen Luxussegler "Le Ponant" mit rund 30 Passagieren an Bord und jener auf den japanischen Öltanker "Takayama".

Im September erbeuten die Seeräuber dann eine ungewöhnliche Fracht, denn mit dem ukrainischen Frachter "Faina" bringen sie 33 Kampfpanzer, Luftabwehrausrüstung und Raketenwerfer in ihre Gewalt. Der Überfall auf die "Sirius Star" am 15. November, der sich im Indischen Ozean fernab des Golfs von Aden ereignet, markiert eine neue Etappe: Nur 16 Minuten brauchen die Seeräuber, um den Supertanker mit seinen 300.000 Tonnen Rohöl an Bord zu kapern. (APA)