Wien - In zehn Tagen beendet sein "Macbeth" die jahrelange Zyklus-Beziehung zwischen Shakespeare und dem Wiener Burgtheater. Im April wird dort sein "Goldenes Vlies" (Grillparzer) zwecks Allstar-Abschiedsfeuerwerk für Klaus Bachler wieder aufgenommen: Stephan Kimmigs Regie steht für erfolgreiche und vergleichsweise moderate Aktualisierung klassischer Theaterstoffe.

Für letztes Wochenende hatte man sich Kimmigs Inszenierung von Friedrich Schillers "Maria Stuart" im Hamburger Thalia Theater eingeladen. Bühnenbildnerin Katja Haß hat für die Drehbühne der Burg ein mächtiges Mausoleum aus Sichtbeton, mit vier gleichförmigen Zellen mitgebracht. Vor der kahlen Architektur sind alle gleich: Maria Stuart (Susanne Wolff), Königin, ist drei Tage vor ihrer Hinrichtung mit Kabelbindern an den Folterstuhl gefesselt und verstreut dessen unbeeindruckt herablassende Blicke. Elisabeth (Paula Dombrowski), Königin, manövriert in der Gewalt ihrer Ratgeber und sucht im kindlichen Trotz den Ausweg vor dieser Schwere und ihren Pflichten.

Rundum stehen graue Eminenzen (u. a. Werner Wölbern, Peter Jordan, Christoph Bantzer) in pfaffenhafter Dienstbereitschaft zur Elisabeth. Ihre wahre Loyalität wäre aber nur den Anstecknadeln ihrer Anzüge abzulesen.

Maria Stuart wird in dieser zähen Bürokratiemasse ihr Leben lassen. Den Teufelskreis zwischen Macht und dem Ruhebedürfnis der einzelnen Persönlichkeiten verdeutlicht Kimmig bereits atmosphärisch: in den Minuten des Drehzustands des bewohnten Grabmals. Nur in ihren Glanzmomenten dürfen die Königinnen die Architektur verlassen. Diesen feinen Regieumgang mit Rhythmus, Atmosphäre, Figurenpositionierung wünscht man sich beim Macbeth. (Georg Petermichl, DER STANDARD/Printausgabe, 09.12.2008)