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Jean Charest regiert weiter

Foto: Reuters/Best

New York/Montréal - Bei Regionalwahlen in der kanadischen Provinz Québec hat die Liberale Partei unter Jean Charest ihr Ziel erreicht und eine absolute Mehrheit errungen. Damit kann sich Regierungschef Charest nun auf eine dritte Amtszeit einstellen, eine Seltenheit in der einzigen frankophonen Provinz Kanadas.

Deutlich zugewinnen konnte auch die separatistische Parti Québécois (PQ) - ein überraschendes Ergebnis, das Beobachter als Reaktion auf die Separistenschelte des konservativen kanadischen Regierungschef Stephen Harper ansehen. Die Liberalen verfügen künftig über 66 der 125 Stimmen im Parlament in Montréal, gefolgt von der separatistischen PQ mit 51 Parlamentssitzen.

Zwangsferien

Harper hatte in der vergangenen Woche das Bundesparlament in Ottawa in siebenwöchige Zwangsferien schicken lassen, um dem so gut wie sicheren Sturz seiner Minderheitsregierung vorzubeugen. Drei Oppositionsparteien unter Führung des Vorsitzenden der kanadischen Liberalen, Stéphane Dion, hatten vorgehabt, Harpers Regierung per Misstrauensvotum zu stürzen und durch eine Koalitionsregierung unter Dion abzulösen.

Dion stellte am Montagabend (Ortszeit) nicht ganz unerwartet seinen Posten zur Verfügung. Er werde zurücktreten, sobald ein Nachfolger gefunden sei. Der Liberale galt nach der letzten landesweiten Wahl im Oktober, bei der seine Partei enttäuschend abgeschnitten hatte, zu schwach als Premier einer möglichen Koalitionsregierung.

Die Forderung nach einer Unabhängigkeit der französischsprachigen Provinz im Osten Kanadas hatte zum ersten Mal seit fast 40 Jahren keine Rolle im Wahlkampf gespielt. Die Parti Quebecois verzichtete dieses Mal darauf, ein entsprechendes Referendum in Aussicht zu stellen, sollte sie an die Regierung kommen. In den Jahren 1980 und 1995 hatten sich die Bürger der Provinz gegen eine Abspaltung von Kanada ausgesprochen, zuletzt allerdings sehr knapp. (APA/dpa)