Bild nicht mehr verfügbar.

"Ein Blutbad von ungeheurem Ausmaß" habe Youssef El Hajdib geplant, meinte das Gericht und folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf lebenslange Haft. Die Verteidigung strebt Revision an.

Foto: AP/Augstein

Der als "Kofferbomber" von Köln bekannt gewordene Libanese Youssef El Hajdib muss lebenslang in Haft.

*****

Berlin/Köln/Düsseldorf - Das Video, das am 31. Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof aufgenommen wurde, wirkt auf den ersten Blick harmlos: Ein junger Mann im Fußballtrikot seines Idols Michael Ballack (Rückennummer 13) schlendert mit einem Koffer den Bahnsteig entlang. Doch wenig später schockt die vermeintlich alltägliche Reiseszene Deutschland. Der Koffer, in dem ein Gasbehälter mit Zeitzündern versteckt ist, wird in einem Regionalzug nach Koblenz gefunden. Ein zweiter Koffer der gleichen Machart taucht in einer Nahverkehrsbahn nach Hamm auf. Diesen hat El Hajdibs Komplize Jihad Hamad dort deponiert.

Als die Koffer untersucht werden, ist für die deutsche Bundesanwaltschaft rasch klar: Nur "handwerklichen Fehlern" sei es zu verdanken, dass die Bomben nicht explodierten und unzählige Menschen töteten. El Hajdib wird kurz darauf in Kiel gefasst, Hamad stellt sich in seiner Heimat, dem Libanon, und wird in Beirut zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Der Prozess gegen El Hajdib vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf dauerte fast ein Jahr, 80 Zeugen wurden gehört. Am Dienstag verkündete das Gericht dann sein Urteil: lebenslang. Der Vorsitzende Richter Ottmar Breitling sprach von einer "zutiefst terroristischen Tat". Deutschland sei "einem islamistischen Anschlag nie näher gestanden als im vorliegenden Fall". Zu einem "verheerenden Blutbad mit einer Vielzahl von Toten" sei es nur deshalb nicht gekommen, weil in beiden Bomben der für eine Zündung nötige Sauerstoff gefehlt habe.
Der 24-jährige Angeklagte hatte während des Prozesses seine Unschuld beteuert und noch in seinem Schlusswort gemeint: "Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen, dass es niemals meine Absicht war, jemanden zu töten."

Nur Attrappen in den Zügen

In den Zügen hätten sich nur Attrappen befunden, die den Menschen einen Schecken einjagen hätten sollen. Auslöser für den Bombenbau waren nach El Hajdibs Angaben die in der dänischen Zeitung Jyllands Posten veröffentlichten Mohammed-Karikaturen sowie die Tötung des Al-Kaida-Führers Abu Mussab Al-Zarkawi.

Nach Deutschland gekommen war El Hajdib ursprünglich als Hoffnungsträger seiner Großfamilie, er sollte hier studieren. Doch wegen schlechter Deutschkenntnisse scheiterte er, war zudem gefrustet, weil er bei Frauen keinen Erfolg hatte, wie ein Gutachter bescheinigte. Doch dann fand er, wie er selbst erklärte, "Halt in der Religion". Auf das Urteil reagierte El Hajdib zunächst scheinbar gelassen. Dann zeigte er die ausgestreckten Mittelfinger. (Birgit Baumann/DER TANDARD, Printausgabe, 10.12.2008)