Zürich/Barcelona/Rom - Mit den fortschreitenden Unruhen in Griechenland nach dem Tod eines 15-jährigen Demonstranten am Samstag durch eine Polizeikugel befasst sich am Dienstag die europäische Presse:

"Neue Zürcher Zeitung" (Zürich):

"Vom Ausmaß der Proteste überrascht, reagierte die konservative Regierung ratlos. Jetzt rächt es sich, dass der Ruf nach einer umfassenden Bildungsreform von der Regierung in Athen jahrelang ignoriert worden ist. In Griechenland ist der Anteil der Akademiker an der Gesamtbevölkerung einer der höchsten aller EU-Länder. Nach dem Abschluss des Studiums finden die meisten keine Arbeit. Die Frustrationen nehmen zu. Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Existenzängste vieler Jugendlicher noch größer geworden."

"La Vanguardia" (Barcelona):

"Die Welle der Gewalt hat in Griechenland niemanden überrascht. Der Tod eines 15-jährigen Schülers war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die griechische Polizei wird schon seit langem wegen ihrer oft übertriebenen Härte kritisiert. Hinzu kommt, dass die Regierung aufgrund ihrer Ineffektivität in weiten Teilen der Bevölkerung zunehmend auf Ablehnung stößt. Seit den verheerenden Waldbränden im vorigen Jahr ist das Ansehen von Ministerpräsident Kostas Karamanlis rapide gesunken. Das Ende des griechischen Wirtschaftswunders, die galoppierende Krise und Korruptionsskandale im Umfeld der Regierung bewirkten ein Übriges."

"Corriere della Sera" (Rom):

"Es ist klar, dass die momentane Entwicklung der Ereignisse keine Voraussagen zulässt. Denn die Ermordung des jungen Schülers, Sohn einer gutbürgerlichen Familie, polarisiert auch die jugendlichen Anhänger der Regierungspartei (...). Selbst wenn die Sozialisten der oppositionellen Partei (PASOK), obwohl sie der Polizei "barbarische" Methoden vorwerfen, zur Ruhe aufrufen, um die Unterstützung der moderaten Wähler nicht zu verlieren. Eine Ruhe, die es nicht mehr gibt, da Gewalt das ganze Land überzieht. Und so besteht das Risiko, dass die Raserei extremistischer Minderheiten Griechenland zum Kollaps bringt." (APA/dpa)