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Facebook-CEO Mark Zuckerberg will sich nur eine einzige Kennung merken.

Foto: APA/AP/Eric Risberg

Das Internet, endlose Weiten. Aber so grenzenlos die Onlinewelt auf den ersten Blick erscheint, an vielen Grenzübergängen finden lästige Ausweiskontrollen statt. Hier ein Username und Passwort für das Mailkonto, dort eine andere ID für den Einkauf oder um bei einer Zeitung wie derStandard.at einen Kommentar posten zu können.

Eine Art Schengenvertrag

Zwar können sich Webbrowser die meisten dieser Anmeldungen merken, aber oft nur auf begrenzte Zeit, und was, wenn man an einem anderen PC surft? Jetzt wollen soziale Netzwerke wie Facebook oder MySpace, deren Mitgliederzahlen weiterhin schier gegen Himmel wachsen, eine Art Schengenvertrag für das Internet anbieten. Facebook Connect heißt das Ende vergangener Woche lancierte Programm, dass es anderen Webseiten erlaubt, die Facebook-Anmeldung auf ihrer Site zu verwenden.

Wenige Schritte hinterher

Die Konkurrenten sind nur wenige Schritte hinterher und bieten ähnliche Dienste an: MySpace-Open-Plattform ermöglicht es Partnerseiten, dass sich Benutzer mit MySpace-Kennungen ausweisen, Google Friends Connect bietet Google-IDs als universelle Kennung an. Und schon seit langer, langer Zeit gibt es Open ID oder Microsoft Passport, die mit wenig Erfolg versuchen, universelle Kennungen zu etablieren. Warum die Zeit dafür nunmehr möglicherweise reifer als in den vergangenen Jahren ist, liegt in der Natur der sozialen Netze. Denn mit jeder Facebook- oder MySpace-Kennung ist nicht nur User-ID und Passwort, sondern ein umfassenderes Profil mit (mehr oder weniger akkuraten) persönlichen Angaben hinterlegt. Dies macht es nicht nur einfacher, Zugangsdaten zu merken, sonder ermöglicht es auch der jeweiligen Website, Angebote oder Werbung besser auf das Profil des jeweiligen Nutzers abzustimmen.

130 Millionen IDs

Facebook zählt 130 Millionen registrierte Teilnehmer - diese können dann andere Webseiten (die nur einen Bruchteil dieser Frequenz aufweisen) ohne umständliche Registrierung (bei späterem Vergessen der neuen ID) benutzen. Gleichzeitig können die Inhalte wieder auf das jeweilige soziale Netzwerk rückbezogen werden: Facebook-Freunde können zum Beispiel sehen, welche Artikel ihre Freunde im Wall Street Journal gelesen haben, die sie aufgrund gemeinsamer Interessen möglicherweise auch lesen wollen.

Datenschutz

Oder Besucher eines Online-Shops können Artikel mit einem Mausklick auf eine Wunschliste in ihrem sozialen Netzwerk hinzufügen. So praktisch dieser "Schengenraum" für die Onlinewelt ist, so sehr weckt die immer weiterreichende Verknüpfung von Daten aus vielen Webseiten mit einer User-Identität auch das Unbehagen von Konsumenten und Datenschützern. Im Vorjahr legte Facebook ein ähnliches Projekt namens Beacon auf Eis (dabei kann der Facebook-Freundeskreis z. B. sehen, wo man was einkauft oder welche Tickets man bucht, wenn eine Website bzw. ein Facebook-User Beacon verwenden). Facebook betont, dass nunmehr ausschließlich Daten zwischen Websites ausgetauscht werden, wenn der Benutzer zugestimmt hat.(Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe vom 10.12.2008)