Nathalie Depetro: "Die neuen Investoren haben keine Netzwerke, sie müssen sich auf Kontaktsuche begeben. Ich sehe die MIPIM Horizons daher als Plattform, um die Entwicklung anzukurbeln."

Foto: Reed MIPIM

Am vergangenen Donnerstag ging die erste MIPIM Horizons in Cannes zu Ende. Mit Direktorin Nathalie Depetro sprach Gerhard Rodler.

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STANDARD: Die MIPIM Horizons ist der Marktplatz für schnell wachsende Immobilienmärkte weltweit. Wie rasant ist dieses Wachsen angesichts der derzeitigen Finanzkrise?

Nathalie Depetro: Tatsache ist: Nach wie vor liegt viel Investorengeld für Immobilieninvestitionen bereit. Allerdings hat sich in den zurückliegenden Monaten das Anlageprofil drastisch geändert. Bei Investitionen in entwickelte Immobilienmärkte muss mehr denn je alles passen. Die Investoren sind vorsichtiger geworden und wollen die Entwicklung der nächsten Monate abwarten. Aufgrund gesunkener Immobilienpreise liegen die erzielbaren Renditen unter den Erwartungen. Daher stocken hier die Investitionen derzeit.

STANDARD: Von welchen Märkten sprechen wir konkret?

Depetro: Neben Großbritannien und den USA sind das bereits entwickelte Länder im CEE-Raum wie beispielsweise Ungarn, Polen oder die Tschechische Republik.

STANDARD: Was kann man über Russland sagen? Schließlich zog die Gasprom kürzlich den Bau ihres 300-Meter-Hochhauses zurück.

Depetro: Bei Russland sehe ich regionale Unterschiede. In Moskau und St. Petersburg ist der große Boom tendenziell vorbei. Es gibt in diesem riesigen Land aber viele Regionen, die durchaus noch ein schnelles Wachstum vor sich haben. Allerdings sind diese Regionen im Westen kaum bekannt.

STANDARD: Wohin gehen die großen Investitionen derzeit?

Depetro: Neben Teilen Russlands drängt das Geld der Investoren zunehmend in Länder wie Brasilien, Argentinien oder Chile, aber auch nach Nordafrika, hier besonders nach Marokko. Nach Meinung der Experten steht der große Aufschwung diesen Ländern noch bevor. Viele Investoren gehen dieses Risiko ein, weil es zumindest mit sehr hohen Gewinnchancen aufgewogen wird.

STANDARD: Wer sind die Investoren, die gerade jetzt einkaufen?

Depetro: Erstaunlicherweise treten völlig neue Investoren auf den Plan. In der aktuellen Krise sehen sie derzeit eine seltene Chance, in den Markt einzusteigen. Von den 300 Investoren, die sich auf der MIPIM Horizons auf Shoppingtour befinden, sind rund 45 dabei, die nun erstmals in Immobilienprojekte beziehungsweise in Objekte veranlagen wollen.

STANDARD: Woher kommen die?

Depetro: Im großem Umfang treten Investoren aus Marokko auf. Viel Geld liegt derzeit auch in Saudi- Arabien, in Abu Dhabi und nach wie vor in Dubai. Interessanterweise erstarken derzeit auch ein paar CEE-Staaten. Beispielsweise treten bis dato eher unbekannte Investoren aus Bulgarien auf.

STANDARD: Welche Rolle wird die MIPIM Horizons in Zukunft spielen?

Depetro: Die drastische Veränderung von Anlageprofilen hat dazu geführt, dass die alten, bekannten Netzwerke und Kontakte nicht mehr von Nutzen sind. Die neu aufgetretenen Investoren haben keine Netzwerke, sie müssen sich erst auf Kontaktsuche begeben. Ich sehe die MIPIM Horizons daher als wichtige Plattform, um die Entwicklung wieder anzukurbeln. Dennoch glaube ich offengestanden, dass 2009 ein schwieriges Jahr werden wird.  (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7./8.12.2008)