Wien - Die für die Genehmigung von Modellversuchen zur "Neuen Mittelschule" zuständige Kommission im Unterrichtsministerium hat bei ihrer Sitzung heute, Mittwoch, 27 weitere von Vorarlberg geplante Standorte für den Schulversuch nicht genehmigt. Als Grund nannte das Ressort in einer Aussendung die Überschreitung der gesetzlichen Grenze von maximal zehn Prozent der Klassen eines Bundeslandes. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will nun Gespräche mit der ÖVP über die Aufweichung dieser Grenzen führen.

Für Vorarlbergs Schul-Landesrat Siegi Stemer  kommt eine Ablehnung der 27 geplanten neuen Standorte für den Vorarlberger Mittelschul-Versuch "nicht infrage". Er erwartet sich eine baldige Änderung der für Schulversuche vorgesehenen gesetzlichen Höchstgrenze von zehn Prozent der Klassen eines Bundeslandes. Er wolle eine rasche Genehmigung der neuen Standorte für die "Neue Vorarlberger Mittelschule". Bildungsministerin Claudia Schmied  habe zugesagt, sich für eine Änderung einzusetzen.

Verdreifachung der Schulversuchsstandorte

In allen anderen Bundesländern wurden dagegen die eingereichten neuen Standorte genehmigt, so dass sich die Zahl der "Neuen Mittelschulen" im kommenden Schuljahr 2009/10 von derzeit 67 auf 206 verdreifachen und die Zahl der Klassen von 166 auf 697 erhöhen wird. Alle neuen Standorte würden die Qualitätsstandards erfüllen, die für den Start notwendig seien. Zudem hätten an allen Standorten bereits die notwendigen Abstimmungen von Eltern und Lehrern stattgefunden.

In Vorarlberg sei die Bereitschaft der Eltern und Lehrer zur Durchführung der "Neuen Mittelschule" "größer, als in den Erwartungen des Landesschulrats prognostiziert wurden", heißt es seitens des Ministeriums. Die gesetzliche Grenze sei dadurch überschritten worden, weshalb 27 weitere Standorte in Vorarlberg "noch nicht genehmigt werden konnten". Solange dieses gesetzliche Regelung bestehe, könne Vorarlberg nicht allen Wünschen der Eltern und Lehrer nachkommen.

"Ausgang der Gespräche ungewiss"

Für Schmied sollten "Innovation und der Wille zu einer modernen Schule nicht aufgrund einer gesetzlichen Prozentgrenze verlangsamt werden". Ihr sei bewusst, dass im Regierungsprogramm kein konkreter Plan zur Ausweitung des gesetzlichen Rahmens für die "Neue Mittelschule" festgeschrieben sei. "Ich fände es allerdings schade, wenn der Reformmotor Vorarlberg sein Reformtempo drosseln muss", sagte die Ministerin, die deshalb mit der ÖVP Gespräche führen will, "auch wenn mir bewusst ist, dass der Ausgang der Gespräch ungewiss ist.

Im Burgenland wird es damit ab dem kommenden Schuljahr 19 "Neue Mittelschul"-Standorte geben (bisher 9), in Kärnten 23 (4), in Niederösterreich 46 (0), in Oberösterreich 22 (1), in Salzburg 10 (0), in der Steiermark 35 (30), in Tirol 8 (0) und in Wien 20 (0). In Vorarlberg bleibt es bei den bisher 23 Standorten. (APA)