Eine alte Börsenweisheit besagt, dass Anleger nicht alle Eier in einen Korb legen sollen. Die Asset-Allocation versucht, dieses Prinzip umzusetzen und ist dabei der Begriff für die grobe Aufteilung des Vermögens nach Anlageklassen - etwa Aktien oder Rohstoffen. Im Grunde ist Asset-Allocation die Antwort auf eine wichtige Frage: Wie würde ein Investor sein Geld anlegen, wenn er seine Entscheidung über die nächsten fünf Jahre nicht mehr ändern möchte?
Eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen - von Aktien über Anleihen bis Immobilien - soll das Risiko streuen.

In den "klassischen" Portfolios befinden sich vor allem Anleihen, also Schuldverschreibungen und Aktien. Der Gewinn aus Aktien setzt sich aus Kursgewinnen und möglichen Gewinnbeteiligungen (Dividende) zusammen. Schon diese beiden Wertpapiere zeichnen sich aber durch sehr unterschiedliche Eigenschaften aus. Anleihen zahlen Investoren fix einen Coupon, bieten also einen sicheren Geldstrom, solange das Unternehmen oder das Land, das die Anleihe begeben hat, nicht pleitegeht. Die Aktie hingegen bietet neben einem unsicheren Geldstrom, der von der Gewinnlage abhängt, vor allem Kurspotenzial.

Die Asset-Allocation hat vor allem ein Ziel: Das Portfolio auf das Risikobedürfnis von Anlegern abzustimmen und ein möglichst positives Ertrag-Risiko-Verhältnis zu wählen. Denn langfristig sollen riskante Wertpapiere eine "Risikoprämie" zahlen. Doch die aktuelle Krise hat die Definition von "langfristig" umgeworfen.

Ein verlorenes Jahrzehnt

Anleger, die vor zehn Jahren in den S&P 500, den breitgestreuten US-Aktienindex, investierten, haben fast dreißig Prozent verloren. Es war ein "verlorenes Jahrzehnt" für Aktienanleger, titelte das Wall Street Journal bereits im März, noch bevor die Lehman-Pleite und die AIG-Rettung die Märkte unter die Tiefstände nach der IT-Blase gedrückt hatten.
"Die Crux ist, dass die Zehn-Jahres-Periode so schlecht aussieht," sagt Ingrid Szeiler, Leiterin der Abteilung für Asset-Allocation bei der Raiffeisen-Fondsgesellschaft RCM. Eine Krise wie jetzt habe sie noch nie erlebt. Aktien seien aber langfristig jedenfalls attraktiv. "Doch in einer Krise ist die taktische Asset-Allocation wichtiger," so Szeiler. Das taktische dabei ist, dass Investoren eher kurzfristig ihr Vermögen zwischen verschiedenen Anlageklassen umschichten.

Der Punkt "Alternatives"

Doch auch langfristig haben besonders professionielle Investoren ihre Portfolios umgeschichtet. Bestes Beispiel stellen die US-Elite-universitäten dar, etwa die US-Uni Harvard. 2007 machten Aktien und Anleihen nur 56 Prozent des Portfolios aus. Andere Assetklassen, von Immobilien über Rohstoffe bis Hedgefonds waren für die restlichen 44 Prozent verantwortlich. Global betrachtet, hat sich in nur vier Jahren - von 2001 bis 2005 - der Anteil von Altervative Investments von fünf auf 16 Prozent vergrößert.

Doch Diversifikation sorgt nicht zwangsläufig für positive Erträge, sondern wird auch stark von der Marktlage beeinflusst. Auch die Asset-Allocation von Harvard musste jetzt Federn lassen. 22 Prozent bergab ging es in vier Monaten, das schlechteste Ergebnis seit 40 Jahren. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2008)