Adam Cordery, Fondsmanager bei Schroders, ist über die aktuelle Marktlage glücklich. Cordery managt einen Corporate-Bond-Fonds und "spannender könnten die Zeiten nicht sein" , sagt der Experte zum Standard. Die vergangenen Jahre seien in diesem Sektor bereits "langweilig" gewesen.
Bis Juni 2007 hatte der Anleihenmarkt unter steigenden Zinssätzen zu leiden, im zweiten Halbjahr gerieten Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) wegen der Panik über US-Subprime-Hypotheken und ABS-Papiere in ein falsches Licht, sagt Cordery. Anleihefonds seien von Investoren nicht mehr angefasst worden und hatten darunter zu leiden, dass Anleger ihr Geld abgezogen haben, sagt der Experte.
Die Zeit ist laut Cordery nun aber reif, dass sich dieser Trend wieder umkehrt. Europäische Anleihen sind seit Jahresbeginn deutlich gestiegen - für den Fondsmanager ein gutes Umfeld für neue Investitionen.
Kommt ein Unternehmen in Schwierigkeiten, bekommen Inhaber von Unternehmensanleihen ihr Geld vor den Aktionären , fasst Cordery einen Vorteil von Corporate Bonds zusammen.

Höhere Zinsen

Außerdem seien die Zinsen von Unternehmensanleihen höher als der Dividendenertrag von Aktien. Komme hinzu, dass Dividenden - anders als ein Kupon einer Anleihe - gesenkt werden können. Und: "Die Renditen von Staatsanleihen sind im Vergleich zur Inflation sehr niedrig geworden."
Da viele Fonds in der derzeitigen Marktlage unter einem großen Verkaufsdruck stehen, könnten Anleihen im Moment am Markt "billig eingekauft werden" . Die Renditedifferenzen sind bei Unternehmensanleihen zuletzt aber "groß geworden" , warnt der Fondsmanager. Auch künftig sei mit einer immer größeren Differenzierung dieser Spreads zu rechnen" , meint Cordery. Anleihen hoher Qualität werden daher überdurchschnittliche Erträge bringen, während der Rest eher dürftige Renditen abwerfen wird.
Für seinen Fonds setzt Cordery daher auf Anleihen von nicht zyklischen Unternehmen wie Danona oder den Telekom-Sektor. Finanzinstitute werden untergewichtet.

Negative Einschätzung

Auch die Erste Sparinvest verweist auf die negative Einschätzung in der jetzigen Bewertung der Unternehmensanleihen. Derzeit wird von den Märkten angenommen, dass jeder fünfte Emittent pleite geht. Diese Erwartung steigender Ausfallsraten führt zu einem Rückgang der Bondkurse und den erwähnten, hohen Renditeaufschläge (siehe Chart). Ein weiterer Grund für den Preissturz ist die angespannte Liquiditätssituation vieler Investoren - sie wollen ihr Geld in unsicheren Zeit schlicht nicht binden, erklärt Sparinvest-Geschäftsführer Heinz Bednar.
Genau darin liege auch die Anlagechance, beruft sich der Experte auf historische Daten: "Je höher der Renditeaufschlag in der Vergangenheit war, desto größer war die Performance in den folgenden fünf Jahren."

Mehr Ertrag

Noch einen Vergleich stellt Bednar an: Selbst wenn man von Ausfallsraten von High Yield Bonds (hohe Verzinsung, hohes Risiko) der 30er Jahre ausgeht, sind die derzeitigen Aufschläge nicht gerechtfertigt. In diesem Schreckensszenario (46 Prozent Ausfälle über fünf Jahre) geht die Sparinvest davon aus, dass Investments in Unternehmensanleihen über fünf Jahre 37 Prozent mehr Ertrag bringen sollten als Staatsanleihen. (Bettina Pfluger, Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11.12.2008)