Wien - Finanz- und Anlageberater sollen stärker an die Kandare genommen werden. In einem von allen fünf Parlamentsparteien unterstützten Entschließungsantrag fordern die Abgeordneten eine Reform der Anlageberatungsberufe, wobei insbesondere das Berufsbild des "Finanzdienstleistungsassistenten" zu prüfen sei, was allenfalls bis zur Streichung führen kann. Ein Verbot dieser Berufsgruppe würde vor allem die "AWD-Keiler" treffen, so der grüne Nationalratsabgeordnete Peter Pilz, auf dessen Initiative dieser Entschließungsantrag zurückgeht.

Durch die Finanzkrise haben viele Kleinanleger massive Verluste erlitten, zahlreiche Geschädigte klagen darüber, dass sie von Anlageberatern unzureichend über die Risiken der ihnen empfohlenen Finanzinstrumente aufgeklärt wurden. Das System der Anlageberatungsberufe soll daher reformiert werden.

Die Gesetzesänderung könnte laut Pilz noch im Jänner beschlossen werden. Der Grün-Abgeordnete geht davon aus, dass ein Verbot dieser Berufsgruppe beschlossen werden wird. "Wir werden als Nationalrat dafür sorgen, dass es Pyramidenspiele dieser Art in Zukunft im Finanzdienstleistungsbereich in Österreich nicht mehr gibt", zeigt sich Pilz überzeugt. Als nächsten Schritt werde man dafür sorgen müssen, dass die Geschädigten ihr Geld zurückbekommen.

Laut Pilz gibt es in Österreich 10.000 Finanzdienstleistungsassistenten: Diese seien Schein-Selbstständige ohne Ausbildung, ohne Qualifikationserfordernisse, als freies Gewerbe würden sie auch keinen Bedingungen der Gewerbeordnung unterliegen.

Wesentliche Einnahmequellen in diesem System seien Bestandsprovisionen: "AWD kassiert einen Haufen Geld, wenn sie sagt: Behaltet eure Immofinanzaktien. Ist das Papier hin, dann ist das für AWD kein wirtschaftliches Problem, die Opfer sind die Kunden."

Man könne dieses System mit dem Weinskandal vergleichen. Dieser sei für die Weinwirtschaft eine schreckliche Sache gewesen, am Ende sei aber eine qualitativ hochwertige österreichische Weinwirtschaft gestanden. "Ich will, dass am Ende des Finanzanlageskandals das sauberste und beste Finanzdienstleistungssystem Europas steht", so Pilz. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2008)