Foto: Steinbrener Dempf

Der Weltraum, unendliche Weiten ... Richtet man in der Jesuitenkirche nach Anbruch der Dunkelheit den Blick gen Himmel, schaut man auf nichts anderes als die Erde. Hinter dem Wolkenschleier versteckt sich irgendwo das Erdenrund.

Mit dem Großdruck eines Nasa-Fotos hat das Künstlerduo Christoph Steinbrener und Rainer Dempf die Scheinarchitektur des Barockkünstlers Andrea Pozzo verhüllt; an die Stelle des Gott zugewandten, demütigen Blicks tritt - passend zur Philosophie der Jesuiten - das Irdische und die Wissenschaft. Steinbrener & Dempf wechseln den Blickwinkel, wenden aber an der gleichen Stelle ein ähnliches Prinzip an wie einst Pozzo: Den in der barocken Kirchenmalerei intendierten Blick zum Himmel realisierte der damals führende Theoretiker illusionistischer Malerei mittels der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Wenn sein Schwindel auch "echter" und handwerklich edler wirkt; ihre Tricks legen beide offen: Während Pozzo den perfekten Beobachtungspunkt markiert, belassen Steinbrener & Dempf Fragmente von Raumstation und Weltraumspaziergänger im Bild. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2008)