Seoul - Südkoreas Notenbank hat mit der größten Zinssenkung ihrer Geschichte auf die dramatische Wirtschaftslage reagiert. Der Leitzins wurde von 4 auf 3 Prozent zurückgenommen und ist damit so niedrig wie noch nie, teilte die Zentralbank am Donnerstag in Seoul mit. "Wir befinden uns am Rande eines Ausnahmezustandes, der zu noch drastischeren Handlungen führen könnte", deutete Notenbankchef Lee Seong-tae weitere Senkungen hat.

Auch in Taiwan, dem zweiten ostasiatischen Tigerstaat, drehten die Notenbanker im Kampf gegen die Krise kräftig an der Zinsschraube. Der Schlüsselzins wurde von 2,75 auf 2 Prozent gesenkt. Derart stark hatte die Zentralbank in Taipeh die Geldpolitik seit 26 Jahren nicht mehr gelockert. Die Notenbanker haben den Leitzins damit seit der Zuspitzung der Finanzkrise Mitte September bereits fünfmal gesenkt.

Wirtschaft geschrumpft

Die Wirtschaft ist im Sommer geschrumpft und viele Experten befürchten, dass das Land in eine Rezession rutschen wird. Die Regierung will die Verbraucher trotz der Krise mit der Ausgabe von Einkaufsgutscheinen im Gesamtwert von 2,5 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) bei Laune halten.

Auch Südkorea, das ebenso wie Taiwan einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg hinter sich hat, steuert zum ersten Mal seit der Asienkrise vor zehn Jahren auf eine Rezession zu. Das exportabhängige Land leidet unter der weltweit sinkenden Nachfrage infolge der Finanzkrise. Asiens viertgrößte Volkswirtschaft machen außerdem die hohe Auslandsverschuldung, die Abwertung der Währung und Kapitalabflüsse zu schaffen.

Für dieses Jahr wird noch ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent erwartet. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass die Wirtschaft 2009 schrumpfen wird. Die Notenbank will am Freitag neue Prognosen veröffentlichen.(APA/Reuters)