Wien - Um die Constantia Privatbank, die zur Zeit einem Bankenkonsortium gehört, sind wieder Verkaufsgerüchte im Umlauf. Die Bank war nach zwei erfolglosen Verkaufsrunden Mitte Oktober rund um die damalige Rettung erneut mehreren potenziellen Interessenten zum Kauf angeboten worden - darunter sollen damals neben anderen die Liechtensteinische Fürstenbank LGT, die Wiener Kathrein Bank, Sal Oppenheim und abermals Credit Suisse gewesen sein, hieß es am Donnerstag zur APA. Die Schweizer sollen für lukrative Teile bis jetzt nicht abgewunken haben.

In den diskreten Privat- und Vermögensverwaltungsbanken will dazu nichts gesagt werden. Der APA gegenüber war in informierten Kreisen davon die Rede, dass nach näherem Hinschauen die Haftungsrisiken zu groß erschienen. Auch "muss man nicht eine Bank kaufen, um deren Kunden zu bekommen", lautete eine andere Formulierung. Aus dem deutschen Privatbankbereich soll es ebenfalls gewisse Expansionslust nach Wiener Vermögensverwaltungskunden geben, auch dorthin sollen Fühler ausgestreckt worden sein.

Die wirtschaftliche und rechtliche Due Diligence Prüfung, die morgen, Freitag, dem Aufsichtsrat der Constantia Bank vorgelegt werden soll, soll über den Fortgang bei der Bank entscheiden helfen. In jedem Fall wird es nach der Immofinanz-Affäre eine drastische Redimensionierung geben. Akut eingreifen müssten die jetzigen Eigentümerbanken aber nicht, auch wenn morgen wichtige Entscheidungen weiter auf sich warten ließen, hieß es in Eigentümerkreisen am Donnerstag.

Zeitlich begrenzt

Eine der fünf Constantia-Bankaktionäre ist die Bank Austria. Deren Generaldirektor Erich Hampel hatte vor einigen Tagen klargemacht, dass die aktuelle Eigentümerschaft in der Constantia Bank zeitlich begrenzt sein wird: Eine Privatbank mit fünf Eigentümern mache auf Dauer keinen Sinn. Die Bank Austria selbst habe kein Interesse, die Bank zu übernehmen. Zur Frage, ob die Constantia-Bank weitergeführt oder liquidiert werden solle, meinte Hampel damals, das könne man erst nach Abschluss der laufenden Bestandsaufnahme sagen. "Die Bank läuft."

Die erste Bestandsaufnahme soll morgen, Freitag, im Aufsichtsrat behandelt werden, wesentliche Unsicherheitsfaktoren sind die diversen Haftungs- und Klagsrisiken im Gefolge strittiger Transaktionen mit Immofinanz-Gesellschaften, der geschasste alte Vorstand wird der Bilanzfälschung und Untreue verdächtigt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Von den Ergebnissen der umfangreichen Prüfungen, die mehrere hundert Seiten Papier füllen, hängt auch die künftige Struktur der Bank ab - und davon, ob sie in Teilen (etwa die Fondsgesellschaft) oder doch in größerem Umfang an neue Eigentümer abgegeben werden kann.

Ein formaler Verkaufsprozess ist naturgemäß nicht im Gang, wird weiter betont.

Laut "Presse"-Informationen hat die Bank, die vom neuen Vorstand jetzt einmal auf ihre Kernbereiche zurückgeführt werden soll, ein relativ knappes Ablaufdatum: Die 400 Mio. Euro Staatsgarantie für die Bank sei mit 6 Monaten befristet. Genau so lange gilt auch der Vertrag des als Sanierer geholten neuen Chefs Andreas Grünbichler. Was laut Zeitung im Klartext heißt: Bis zum kommenden April müssen die möglichen Risiken aus der Immofinanz-Affäre geklärt und ein Käufer gefunden sein.

"News" berichtet in seiner heute erschienen Ausgabe unterdessen von einem "Übernahme-Alarm" um die wankende Immofinanz AG. Insider, so das Magazain, rechneten mit einem Übernahmeangebot von rund 3 Euro je Aktie. Seit Wochen kaufe jemand massiv Immmofinanz-Aktien auf. Für die Immofinanz-Gruppe basteln die Gläubigerbanken derzeit wie berichtet eine Umschuldung. In den nächsten Tagen werden Ergebnisse erwartet. (APA)