COMMON
Universal Mind Control
Q-TIP
The Renaissance
(beide: Universal)
Man könnte die beiden Alben der HipHopper Common und Q-Tip als Old School abtun. Das stimmte insofern, als dass hier HipHop als Aggregatzustand von Funk verstanden und gedeutet wird. Erreicht wird dieser zwar mit neuesten Mitteln, die Ästhetik der Resultate erinnert dennoch an die hohe Zeit des Genres Anfang der 90er-Jahre. Q-Tip titelt sogar mit The Renaissance dahingehend und besticht mit einem lässig verschlurften, zart angejazzten Funk, wie er ihn mit A Tribe Called Quest einst schon so vergleichslos produzierte. Common wiederum orientiert sich in alle möglichen Richtungen, lädt Gäste wie Martina Topley-Bird ein und gibt sich für andere Stile offener als Q-Tip. Wobei der zarte Electro-Einschlag in manchen Stücken natürlich ebenfalls Old School ist. Gerade deshalb ragen beide Alben in ihrer zeitlosen Eleganz aus dem den Markt bestimmenden Muskel-HipHop weit heraus.

GEORG DANZER
Und manchmal kanns auch regnen
(Universal)
Zwei CDs und eine DVD umfasst das letzte Live-Dokument des im Vorjahr verstorbenen Georg Danzer. Aufgenommen am 16. April in der Wiener Stadthalle, zwei Monate vor seinem Tod, bietet es nicht nur einen Querschnitt durch Danzers Werk samt reichlich Gästen. Es ist vor allem auch ein anrührendes Zeitdokument zwischen Hoffnung und Verzweiflung, die damals sowohl auf als auch vor der Bühne zu verspüren war. Überwiegend würdig.

THE DONKEYS
Living On The Other Side
(Dead Oceans/Trost)
Dieser Vierer stammt aus San Diego und schmiert seinen Hörern einen hitzeschlaffen Country-Rock um die Ohren, der klingt, als hätte sich Hank Williams mit dem nebenan besprochenen Q-Tip zusammengetan. Dazu gibt es die schönste Leierorgel, die Augie Meyers (Sir Douglas Quintett! Bob Dylan!) die Tendenz, Noten eher auszulassen, als derer zu viel zu spielen. So kommen auch die Balladen daher.

AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD
Festival Thyme
(SPV)
Ein Übergangswerk, ein Appetizer auf das im Frühjahr kommende neue Album von Trail Of Dead ist Festival Thyme. Die zwischen Opulenz und Härte oszillierenden Texaner wirken hier jedoch in ihrem Tun konzentrierter und überzeugender als zuletzt. Merke: Wer zu viel auf einmal will, wird scheitern. Hier besinnt man sich auf die Kernkompetenz.

HAYDEN
In Field & Town
(Hardwood/Hoanzl)
Der kanadische Singer-Songwriter besitzt zumindest in Nordamerika eine ergebene Fangemeinde, in Europa wurde er außer in Großbritannien nie so richtig wahrgenommen. Schwerer Fehler! Schließlich produziert Paul Hayden Desser seit den 90ern wunderbare Folkrock-Alben. Sein jüngstes besticht wieder mit eingängigen Melodien und dem zärtlichen Tonfall des Wuschelkopfs. Schon der Titelsong lässt den Frühling ein großes Stück näherrücken. Ein lässiger Backbeat und eine hin und wieder die Melodien penetrierende Gitarre erfreuen in Songs wie Worthy Your Esteem. Dass sich selbst Neil Young von diesem seinem Landsmann angetan zeigte, bewies eine Einladung an Hayden zu den jährlichen Bridge School Benefizkonzerten des Meisters. (flu / DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2008)