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Und das Direktorium harmoniert ja doch: Infodirektor Elmar Oberhauser herzt Finanzchefin Sissy Mayerhoffer.

Foto: APA/ROBERT JAEGER

Wien - Die als neu ausgerufene Zusammenarbeit von SPÖ und ÖVPpflanzt sich bisher nicht auf den Küniglberg fort: Die Bürgerlichen hielten ihren Kurs gegen ORF-Budget 2009 und Gehaltsabschluss.
Auch gegen sie segnete der Stiftungsrat das Budget 2009 mit 19 Stimmen von SPÖ, vier Betriebsräten und zwei Unabhängigen ab. ÖVP, Grüne, BZÖ und FPÖ halten geplante 29 Millionen Minus nach 100 heuer für unrealistisch. Die ÖVP findet erwartete Einnahmen zu optimistisch, der ORF spare vor allem am Programm, sie hätte insgesamt forschere Kürzungen erwartet.

Ein Etappensieg für den zuletzt arg gebeutelten ORF-Chef Alexander Wrabetz? Höchstens jein. Von vier zentralen Vorhaben für diesen Stiftungsrat zog Wrabetz drei mangels Chancen vorerst zurück:

  • Rosenhügel-Verkauf des bisherigen Areals von Produktionsstudios (derzeit acht Interessenten, Mindesterlös 14 Millionen Euro);
  • mittelfristige Finanzvorschau bis 2013 (mit 61,8 Millionen weniger Personalaufwand im ORF ohne Töchter bis 2010) und
  • Auslagerung von 300 ORF-Mitarbeitern in neue Töchter für Rundfunkorchester, Marketing, Rechtemanagement, Infotechnologie, Gebäudemanagement, Ausstattung.
    Die drei Punkte sollen wiederkehren: Dem Stiftungsrat kündigt Wrabetz für Februar/März 2009 umfassendes Struktur- und Standortkonzept an, das auch drei bis vier mögliche Adressen für das neue ORF-Zentrum enthalten soll, etwa Wien St. Marx.

    Der Vorsitzende des Stiftungsrats, Klaus Pekarek, sprach von einer "allerletzten Chance" für den ORF und seine Führung, "ein realistisches und umsetzbares" Struktur- und Strategiekonzept vorzulegen. Ungewohnt markige Worte vom Stiftungsrat des Landes Kärnten. Mit der Landtagswahl wackelt auch sein ORF-Mandat.
    Auch abseits des Kärntner Mandats dürften über das Strukturkonzept im März andere abstimmen: Die neue Regierung kann ihre neun Stiftungsräte (von 35) neu bestellen. Am Verhältnis vier rot, vier schwarz, ein Unabhängiger soll sich nichts ändern. Pekarek könnte nun auf eines der schwarzen Mandate hoffen.
    Der ÖVP zugerechnete Stiftungsräte ritten Donnerstag mehrere "Angriffe" (Eigendefinition) auf Wrabetz: Die Anlagestrategie "risikoreich". Drohung mit großem Jobabbau, bevor ein Unternehmenskonzept steht. Und in der Vorlage für den Stiftungsrat konnte der ORF "nur einen kostenneutralen Lohnabschluss finanziell verkraften" - Wrabetz schloss mit 1,9 Prozent plus Einmalzahlung ab. Gegen Finanzdirektorin Sissy Mayerhoffer, hieß es. Laut ORF bleibt der Abschluss kostenneutral durch Änderungen an bestehenden Verträgen.

    Die zerstrittenen ORF-Direktoren und Wrabetz verzichten einig auf Erfolgsboni und Gehaltserhöhung für 2009. Wetten werden angenommen, ob alle tatsächlich das Jahr durchdienen. Die Hälfte der Direktoren bewegt sich im Pensionsalter. Das verbilligte dem ORF ihren vorzeitigen Abgang. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2008)