Haben Sie sich schon überlegt, wer den good cop und wer den bad cop machen wird?

Rudas: Wir sind beide beides. Wobei wir überwiegend good cops sind. Aber eigentlich sind wir gar keine cops. Wir sind ein Team.

Kräuter: Ja, wir können beide mit Stil argumentieren, aber auch pointiert die Interessen der Sozialdemokratie vertreten. Man wird uns von beiden Seiten kennen lernen und beachten müssen.

Ihr Vorgänger Josef Kalina war bekannt für seine Presseaussendungs-Duelle mit Hannes Missethon. Wird man das auch von Ihnen und Fritz Kaltenegger erwarten dürfen?

Rudas: Nein es wird von uns keine zynischen Presseaussendungen geben, weil wir Politik ernst nehmen. Unser Verhältnis zu Kollegen Kaltenegger ist gut und produktiv. Wir können anders als über Aussendungen kommunizieren. Politik darf sich nicht selbst entpolitisieren.

Kräuter: Die Bevölkerung erwartet sich konstruktive Sachpolitik und konstruktive Lösungen. Das wird sehr genau beobachtet. Vor allem in einer Zeit, die ja doch krisenhafte Erscheinungen hat. Auch für die Kollegen der Opposition wird es keine Schonfrist geben. Wir werden sehr genau beobachten, ob sie mit Untergriffen, Herabwürdigungen und Beschimpfungen oder Sachpolitik argumentieren.


Frau Rudas, Sie sind relativ jung. Ist es für sie schwierig sich innerhalb der Partei durchzusetzen?

Rudas: Dadurch, dass ich schon relativ lange dabei bin, habe ich nicht das Gefühl, dass es für mich schwieriger ist. Vielleicht muss ich ab und zu vehementer sein aber ich spüre schon enormen Rückhalt, gerade von den Ländern. Ich habe ja auch gezeigt, was ich kann. Aber ich habe schon das Gefühl, dass man mich ernst nimmt. Oder nimmst du mich ernst?

Kräuter: Es war eine tolle Idee von unserem Bundeskanzler, dass er so jungen Leuten eine Chance gibt, sich an so verantwortungsvolle Stelle zu beweisen. Wir sind vollkommen gleichberechtigt und werden uns toll ergänzen.

Warum wurden eigentlich zwei Bundesgeschäftsführer installiert? Was können zwei besser als einer?

Rudas: Das ist nicht unüblich. Gemeinsam Dinge zu entscheiden und zu hinterfrage bedeutet doppelte Kontrolle. Wir ergänzen uns sehr gut.

Kräuter: Wir halten das für eine wirklich optimale Konstellation. Wir bringen verschiedene Talente, Erfahrungen und Möglichkeiten ein. Das stärkt die Gesamtsache enorm.

Und wie werden Sie es verhindern, dass Sie sich gegenseitig in die Quere kommen?

Rudas: Es war in der ersten Sekunde so, dass wir nicht immer einer Meinung sind. Aber wir sind beide Teamfähig, können diskutieren und werden uns deshalb nicht in die Quere kommen, weil wir gut miteinander können. Wenn ich mir bei etwas nicht sicher bin, ist er der erste, den ich anrufe. Und ich denke, das ist umgekehrt genauso.

Kräuter: Natürlich haben wir eine gemeinsame Zielvorstellung und das verbindet uns. Das wechselseitige Feedback ist natürlich auch sehr bereichernd. Aber die Teamarbeit geht weit über uns beide hinaus. Das Team ist viel größer.

Seit knapp zwei Wochen sind Sie nun offiziell Bundesgeschäftsführer. Was waren ihre erste Handlung, die sie gesetzt haben?

Rudas: Zuerst sind wir zum Betriebsrat gegangen. Dann habe ich möglichst viele Mitarbeiter eingeladen um zu beraten, in welche Richtung es gehen soll.

Kräuter: Ich habe gleich zu Beginn Doris Bures zu ihrer neuen Tätigkeit als Infrastrukturministerin und zu ihrem sehr, sehr guten Wahlkampf gratuliert. Laura habe ich zum frischgebackenen akademischen Titel gratuliert.

Da gratulieren wir auch.

Rudas: Danke. Ich hatte am Montag Diplomprüfung am Dienstag wurde ich offiziell zur Bundesgeschäftsführerin ernannt.

Die Parteibasis-Basis war unter Gusenbauer unter anderem wegen dem Gesudere-Sager ziemlich sauer. Wie ist die Stimmung jetzt?

Rudas: Die Stimmung ist gut. Werner Faymann kommt sehr gut an. Aber es wird unsere Aufgabe sein, jene zurückzuholen, die sich von der Sozialdemokratie verabschieden haben. Das wird uns nicht bei jedem gelingen, viele sind zurückgekommen, aber es wird uns nicht bei jedem gelingen.

Kräuter: Bei den letzten Wahlen ist die Sozialdemokratie weit unter ihren Möglichkeiten geblieben, deshalb sind wir sehr zuversichtlich, dass unsere Konzepte greifen.


derStandard.at: Gerade viele Intellektuelle haben sich durch den Leserbrief an die Krone von der SPÖ abgewandt. Wie sollen Sie die wieder gewinnen?


Rudas: Unsere Aufgabe ist es jeden zurückgewinnen. Aber ich würde aufpassen, eine Bevölkerung so zu teilen. Ich lasse auch nicht zu, dass man die sozialdemokratische Bewegung in Intellektuelle und Nicht-Intellektuelle teilt. Wir haben ganz viele Intellektuelle in der Sozialdemokratie und zwar nach wie vor.

Kräuter: Wir haben eine großartige Tradition. Wenn man sieht, dass es in den 20er Jahren Arbeiterheime gab, wo Leute, die den ganzen Tag geschuftet haben, am Abend noch Bücher gelesen haben, dann sieht man, wie breit unser Bildungsanspruch ist und wie sehr wir diese Trennung ablehnen. Für uns alle haben alle Menschen Qualitäten und Fähigkeiten. Es läuft nicht so, dass wir eine spezielle Politik für die Intellektuellen machen.

derStandard.at: Ich meine zum Beispiel Proponenten wie André Heller...

Rudas: Jeder der auf der Seite der Arbeitnehmer ist und für mehr Gerechtigkeit ist, ist in der Sozialdemokratie gut aufgehoben. Wir halten aber auch Kritik aus. Das wird so bleiben und Gott sei Dank ist das so. Die sozialdemokratische Bewegung ist natürlich immer im Diskurs.

derStandard.at: Ein Politberater hat im derstandard.at-Interview gesagt, Faymann verfolgt einen Kuschelkurs und Umarmungskurs. http://staging/?id=1227287204858 Ist es Ihre Strategie politische Mitbewerber so fest zu umarmen, dass er erdrückt wird.

Rudas: Ich würde nicht immer alles zu Tode analysieren. Wir haben gesehen das Parteihickhack allen schadet. Wir arbeiten jetzt konstruktiv, aber natürlich gibt es auch Konflikte. Das ist keine Strategie sondern ein intelligenter Umgang.

Kräuter: Die Antithese zum Streit wäre, dass wir miteinander verschmelzen. Das wollen wir auch nicht. Die Bevölkerung wünscht sich, dass es eigenständige Parteien gibt, die ihre ideologischen Ziele verfolgen, in einer Koalition aber partnerschaftlich zusammenarbeiten.


derStandard.at: Bei der letzten Sitzung der alten Regierung im Nationalrat hat Faymann gegenüber Strache ungewöhnlich scharfe Worte gefunden. Er hat zum Beispiel gesagt, er sei froh, dass er mit Strache nicht in einer Regierung sitzt. Zuletzt sah man die SPÖ beim Spargelessen mit Jörg Haider oder sie verharmte Straches Paintballübungen. Geht die SPÖ mit Rechtspopulisten jetzt wieder anders um?

Rudas: Es wird uns jeden Tag aufs neue bewiesen, dass man mit der FPÖ keine Koalition machen kann. Natürlich wird es punktuelle Zusammenarbeit geben kann, wir sind auch offen für neue Ideen. Aber die Ideen der FPÖ sind vollkommen absurd und unfinanzierbar. Strache ist ein Maulheld. Zum Kurs der SPÖ: Wir sind Partei, die eine Koalition mit der FPÖ ausgeschlossen hat und zwar nicht immer zu unserem strategischen Vorteil.

Kräuter: Wir werden im Parlament mit allen Parteien sehr sachorientiert zusammenzuarbeiten, das ist bei Zwei-Drittel-Materien erforderlich. Sollte es aus den Reihen der Opposition eine gut durchdache Lösung für etwas geben, dann werden wir diese auch aufgreifen.

Rudas: Das ist aber noch nie vorgekommen.

Kräuter: Mir fällt auch kein Beispiel ein.

Rudas: Es heißt immer, man muss ganz offen sein, weil die FPÖ Probleme anspricht. Ich brauche keinen Strache, um zu wissen, dass es Probleme bei der Integration gibt. Ich bin im 15. Bezirk politisch aktiv. Aber welches Integrationsproblem ist gelöst, wenn man Mohammed als Kinderschänder bezeichnet oder im Stadtpark Schafe aufstellt?

derStandard.at: Der starke Zuwachs bei den Rechten unter den Jungwählern wird von der SPÖ mit Protesthaltung erklärt. Halten Sie diesen Schluss nicht für zu simpel?

Rudas: Es steht niemanden zu über Wähler zu urteilen, man muss sie fragen. Mir haben viele erklärt, dass sie die FPÖ aus Protest gewählt haben. Sie wollten eine Warnung abgeben. Zweitens: Die FPÖ ist enttabuisiert, viele sind ja mit Schwarz-Blau aufgewachsen, sicher haben manche die Radikalität der FPÖ nicht gesehen. Ich denke, die überzeugten FPÖ-Wähler sind die Minderheit. Analysen wie Strache war in der Nachtschicht und deshalb haben ihn alle gewählt, so wie sie oft gemacht wurden, stehen aber niemanden zu. Man kann eine Gruppe von Menschen nicht so simpel erklären


derStandard.at: Herr Kräuter, sie haben gesagt, in vier, fünf Jahren wird es keine Ellbogengesellschaft mehr geben. Was stimmt sie so optimistisch?

Viele junge Menschen sind bereit sich zu engagieren, sie brauchen nur die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse zu entfalten. Die Erkenntnis, dass die coolen Jungs, die mit Milliarden jongliert haben, grandios gescheitert sind, ist jetzt da. Jetzt ist die Phase, in der die bittere Zeche zu bezahlen ist. Aber aus dieser Erkenntnis entsteht etwas neues, ein anderer Zusammenhalt.

 


Wie kommt es, dass die SPÖ ihre selbst gestreckte Frauenquote in der Höhe von 40 Prozent weiblichen Abgeordneten nicht erfüllt?

Rudas: Das ist in keinster Weise schön zu reden, 40 Prozent ist ohnehin ein Kompromiss. Das liegt an uns selber. Es liegt nicht daran, dass zu wenig engagierte, tolle Frauen in der Sozialdemokratie sind. Wir Frauen in der Sozialdemokratie halten sehr zusammen.

Kräuter: Wir haben mit Barbara Prammer eine Frau im zweithöchsten Amt im Staat. Da muss man schon auch sehen, dass Entwicklungen gibt, die sehr ok sind.


Hat der Wahlkampf für die NR-Wahlen 2013 eigentlich schon begonnen?

Rudas: Wichtiger sind die Zeiten zwischen dem Wahlkampf. Man gewinnt die Wahlen mit guter und ergebnisorientierter Politik.


Herr Kräuter. Sie haben eine Website auf der Sie sich und Ihre Ideen präsentieren. Die Url lautet www.zukunft.spoe.at. Sind Ihre Genossen nicht beleidigt, weil Sie diese bedeutungsträchtige Internetadresse für sich alleine beanspruchen?

Kräuter: Ich habe mich gewundert, warum so eine spektakuläre Wortfolge frei war. Die habe ich mir natürlich als damaliger Bezirksabgeordneter geschnappt und im Wahlkampf 2000 mit dieser Kampagne gebraucht. Sollte die SPÖ diese Adresse benötigen, stelle ich sie gerne zur Verfügung.