Noch wagen sich nicht alle Protagonisten aus der Deckung. Doch schon jetzt zeichnet sich vor der EU-Wahl im nächsten Jahr ein harter Konkurrenzkampf bei den Grünen ab. Drei prominente Politiker dürften um zwei Plätze im Europaparlament rittern. Oder, wenn die Grünen viel verlieren sollten, sogar nur um einen.

Ihre Kandidatur angekündigt hat bereits die schon bisher in Straßburg vertretene Eva Lichtenberger. Vieles deutet darauf hin, dass es ihr Ulrike Lunacek noch diese Woche gleichtut. Hintergrund: Die außenpolitische Sprecherin gilt als Wunschkandidatin der Parteispitze um Eva Glawischnig, die mit dem Langzeitabgeordneten Johannes Voggenhuber immer weniger Freude hat und eine EU-kritischere Politik plant (siehe Interview).

Neue Linie den Funktionären schmackhaft machen

Bei einer Bundestagung am Sonntag muss Glawischnig die neue Linie den Funktionären schmackhaft machen. Brisantes Detail: Als Gastredner ist Sven Giegold, Kandidat der deutschen Grünen und Mitbegründer der EU-skeptischen Plattform Attac, eingeladen. "Attac und er verteufeln den Vertrag von Lissabon als Ende der Demokratie", urteilt Voggenhuber: "Dass Giegold nun ein Impulsreferat hält, ist ein bestimmtes Signal. Ich warne davor, einer allgemeinen Stimmung nachzugeben und die Europapolitik zu verengen."

Voggenhuber will sich bei der Bundestagung ein Bild machen und dann entscheiden, ob er ein weiteres Mal zur Wahl antritt. Aber wollen ihn die Grünen noch? Ein Vorwurf, der von der Chefetage bis zur Basis ertönt: Voggenhuber kritisiere zwar gerne lautstark die eigene Partei, zeige bei Wahlkämpfen selbst aber wenig Einsatz - wenn er sie nicht sogar störe.

"Es fragt sich, wer abgehoben ist"

Der Abgeordnete kontert mit nackten Zahlen: Im Europaparlament liegen die Grünen bei 13 Prozent, in Österreich bei zehn. Von Glawischnigs Diagnose der Abgehobenheit fühlt er sich daher nicht angesprochen: "Die Parteispitze hat Europapolitik nicht wahrgenommen, auch nicht die Erfolge. Es fragt sich, wer abgehoben ist." (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2008)