Barack Obama wird gerne ein professoraler Habitus nachgesagt. Zunehmend professoral gerät nun auch seine Administration: Physiknobelpreisträger wie Steven Chu haben es noch nicht oft auch nur in die Nähe einer Regierungsmannschaft geschafft. Der kommende Präsident setzt mit dessen Ernennung nicht nur auf das oft zitierte "Team von Rivalen" (siehe Außenministerin Hillary Clinton), sondern auch auf ein "Team der besten Köpfe" . Angesichts der texanischen Bodenständigkeit, die George W. Bushs achtjährige Amtsperiode dominierte, ist das eine frappante Neuerung.

Setzte Bush auf eine religiös grundierte Weltsicht, gehen Obamas Elite-Mitarbeiter - neben Chu gehören etwa auch Harvard-Präsident Larry Summers oder der Chicagoer Ökonom Austan Goolsbee dazu - mit scharfem Verstand Probleme an. Die neuen Maximen im Weißen Haus mögen heißen: Wissen statt Glauben, Daten statt Meinungen.

Bei Chu trifft das vor allem auf den Bereich Klimapolitik zu. Er hat in seinem Berkeley-Labor intensiv an alternativen Energiequellen forschen lassen und ist als Verfechter der Treibhausgaskontrolle aufgetreten. Bush hat genau diese Bemühungen die längste Zeit ignoriert und stattdessen Positionen vertreten, die Lobbyisten der Öl- und Autofirmen definiert hatten - mit dem Ergebnis, dass die USA nun in der Krise mit einer nicht mehr konkurrenzfähigen Autoindustrie dastehen, die kaum noch zu retten ist. Was immer die Administration Obama letztlich leisten wird können: Eine solche Realitätsverweigerung wird nicht zu ihren Fehler zählen. Dafür garantieren Minister wie Mister Chu. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2008)