2008 neigt sich dem Ende zu, der Wurm ist ein halbes Jahr alt. Und schon mit rund zwei Dutzend Autos mitgefahren. Das ist insofern bemerkenswert, als dass der Wurm derzeit nur schläft, wenn er gefahren wird. Mit motorisierten und nicht motorisierten Kinderwagen. Das ist die einzige Konstante im Schlafverhalten, der Rest ist Überraschung.

In Sachen Autos ärgern sich die Chauffeure des Wurms meist über zu kurze Rückbank-Gurten. Der Wurm nicht: Ob im übermotorisierten Schnöselkombi oder im rachitischen Schüsserl mit dünnen Türen, es dauert meist eine halbe Minute ab der Wegfahrt, bis der kleine Mann in seiner Babyschale zufrieden weggeratzt ist.

Nur nicht auf der Südautobahn, Richtung Wien. Da bekommt der Wurm regelmäßig auf dem Rückweg vom Oma-Landsitz schwere Grantigkeitsanfälle. Plötzlich und vermeintlich grundlos platzt er los, immer wenn wir an der Shopping-City vorbeifahren. Danach wird über die Triester Straße und den Gürtel gebrüllt, was die kleinen Stimmbänder hergeben. Das lässt uns außer gestresst und halb taub vor allem ratlos zurück (eine berüchtigte Phrase aus der Standard-Blattkritik, Anm.).

Unergründete Wurmwelt: Mein langjähriger (schon lange nicht mehr langhaariger) Bandkumpan Gerhard erzählte mir unlängst von den "Harnsäureanfällen" seines jüngeren Sohnes: Jedes Mal, wenn der knapp dreijährige Zwerg merkt, dass er eigentlich aufs Topfi sollte, steigert sich sein Zorn ins Unermessliche. Die Frage, ob er nicht vielleicht müsste, wird mit "Neeeeeeiiiiiiin!" quittiert. Bis der Mini-Hulk vor lauter Wut nicht grün, aber rot anläuft und unter Zeter und Mordio seine zum Bersten gefüllte Blase doch entleert. Kaum ist der letzte Tropfen draußen, ist es sofort ruhig, schlagartig scheint wieder die Sonne.

Ich frage mich nun: Sind meines Sohnes Launen etwa auch harnstoffbedingt? Lässt ihn der Anblick einer Einkaufsagglomeration in der Sekunde die Windel nässen? Hat der Wurm eine frühe Ahnung davon, was ihm noch bevorsteht? Wird doch Einkaufen jetzt schon zur Bürgerpflicht für alle ausgerufen. (szem/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.12.2008)