Günther Kräuter und Laura Rudas, Bundesgeschäftsführer der SPÖ, wollen der Opposition keine Schonfrist gönnen: "Wir werden sehr genau beobachten, ob sie mit Untergriffen, Herabwürdigungen und Beschimpfungen oder Sachpolitik argumentieren."

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Laura Rudas: "Ich brauche keinen Strache, um zu wissen, dass es Probleme bei der Integration gibt."

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Günther Kräuter glaubt an das Ende der Ellbogengesellschaft. "Es entsteht ein anderer Zusammenhalt".

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Im Interview mit derStandard.at sprechen die roten Bundesgeschäftsführer Laura Rudas und Günther Kräuter über ihre "bereichernde" Zusammenarbeit, die "Kollegen der Opposition" für die es "keine Schonfrist geben" wird und über den Umgang der SPÖ mit der FPÖ. Die Fragen stellten Katrin Burgstaller und Elisabeth Oberndorfer.

derStandard.at: Die SPÖ hat jetzt zwei Bundesgeschäftsführer. Haben Sie sich schon überlegt, wer den Good Cop und wer den Bad Cop machen wird?

Rudas: Wir sind beide beides. Wobei wir überwiegend Good Cops sind. Aber eigentlich sind wir gar keine Cops. Wir sind ein Team.

Kräuter: Ja, wir können beide mit Stil argumentieren, aber auch pointiert die Interessen der Sozialdemokratie vertreten. Man wird uns von beiden Seiten kennen lernen und beachten müssen.

derStandard.at: Ihr Vorgänger Josef Kalina war bekannt für seine Presseaussendungs-Duelle mit Hannes Missethon. Wird man das auch von Ihnen und VP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger erwarten dürfen?

Rudas: Nein, es wird von uns keine zynischen Presseaussendungen geben, weil wir Politik ernst nehmen. Unser Verhältnis zum Kollegen Kaltenegger ist gut und produktiv. Wir können anders als über Aussendungen kommunizieren.

Kräuter: Die Bevölkerung erwartet sich konstruktive Sachpolitik und konstruktive Lösungen. Vor allem in einer Zeit, die ja doch krisenhafte Erscheinungen hat. Auch für die Kollegen der Opposition wird es keine Schonfrist geben. Wir werden sehr genau beobachten, ob sie mit Untergriffen, Herabwürdigungen und Beschimpfungen oder Sachpolitik argumentieren.

derStandard.at: Frau Rudas, Sie sind relativ jung. Ist es für sie schwierig sich innerhalb der Partei durchzusetzen?

Rudas: Da ich schon relativ lange dabei bin, habe ich nicht das Gefühl, dass es für mich schwieriger ist. Vielleicht muss ich ab und zu vehementer sein, aber ich spüre schon enormen Rückhalt, gerade von den Ländern. Ich habe schon das Gefühl, dass man mich ernst nimmt.

Kräuter: Es war eine tolle Idee von unserem Bundeskanzler, dass er so jungen Leuten eine Chance gibt, sich an so verantwortungsvolle Stelle zu beweisen. Wir sind vollkommen gleichberechtigt und werden uns toll ergänzen.

derStandard.at: Warum wurden eigentlich zwei Bundesgeschäftsführer installiert? Was können zwei besser als einer?

Rudas: Das ist nicht unüblich. Gemeinsam Dinge zu entscheiden und zu hinterfragen, bedeutet doppelte Kontrolle. Wir ergänzen uns sehr gut.

Kräuter: Wir halten das für eine wirklich optimale Konstellation. Wir bringen verschiedene Talente, Erfahrungen und Möglichkeiten ein. Das stärkt die Gesamtsache enorm.

derStandard.at: Und wie werden Sie es verhindern, dass Sie sich gegenseitig in die Quere kommen?

Rudas: Es ist seit der ersten Sekunde so, dass wir nicht immer einer Meinung sind. Aber wir sind beide teamfähig, können diskutieren und werden uns deshalb nicht in die Quere kommen. Wenn ich mir bei etwas nicht sicher bin, ist er der Erste, den ich anrufe. Und ich denke, das ist umgekehrt genauso.

Kräuter: Natürlich haben wir eine gemeinsame Zielvorstellung und das verbindet uns. Das wechselseitige Feedback ist natürlich auch sehr bereichernd. Aber die Teamarbeit geht weit über uns beide hinaus. Das Team ist viel größer.

derStandard.at: Seit knapp zwei Wochen sind Sie nun offiziell im Amt. Was haben Sie als erstes gemacht in dieser Funktion?

Rudas: Zuerst sind wir zum Betriebsrat gegangen. Dann habe ich möglichst viele Mitarbeiter eingeladen um zu beraten, in welche Richtung es gehen soll.

Kräuter: Ich habe gleich zu Beginn Doris Bures zu ihrer neuen Tätigkeit als Infrastrukturministerin und zu ihrem sehr, sehr guten Wahlkampf gratuliert. Laura habe ich zum frischgebackenen akademischen Titel gratuliert.

derStandard.at: Die Parteibasis war auf Gusenbauer unter anderem wegen dem Gesudere-Sager ziemlich sauer. Wie ist die Stimmung jetzt?

Rudas: Die Stimmung ist gut. Werner Faymann kommt sehr gut an. Aber es wird unsere Aufgabe sein, jene zurückzuholen, die sich von der Sozialdemokratie verabschiedet haben. Das wird uns nicht bei jedem gelingen, aber wir werden es bei jedem versuchen. Viele sind ja schon zurückgekommen.

Kräuter: Bei den letzten Wahlen ist die Sozialdemokratie weit unter ihren Möglichkeiten geblieben, deshalb sind wir sehr zuversichtlich, dass unsere Konzepte greifen.

derStandard.at: Gerade viele Intellektuelle haben sich durch den Leserbrief an die Krone von der SPÖ abgewandt. Wie wollen Sie die wieder gewinnen?

Rudas: Unsere Aufgabe ist es jeden zurückgewinnen. Aber ich würde aufpassen, eine Bevölkerung so zu teilen. Ich lasse auch nicht zu, dass man die sozialdemokratische Bewegung in Intellektuelle und Nicht-Intellektuelle teilt. Wir haben ganz viele Intellektuelle in der Sozialdemokratie und zwar nach wie vor.

Kräuter: Für uns haben alle Menschen Qualitäten und Fähigkeiten. Es läuft nicht so, dass wir eine spezielle Politik für die Intellektuellen machen.

derStandard.at: Ich meine zum Beispiel Proponenten wie André Heller...

Rudas: Jeder, der auf der Seite der Arbeitnehmer und für mehr Gerechtigkeit ist, ist in der Sozialdemokratie gut aufgehoben. Wir halten auch Kritik aus. Das wird so bleiben. Die sozialdemokratische Bewegung ist natürlich immer im Diskurs.

derStandard.at: Bei der letzten Sitzung der alten Regierung im Nationalrat hat Faymann gegenüber Strache ungewöhnlich scharfe Worte gefunden. Er hat zum Beispiel gesagt, er sei froh, dass er mit Strache nicht in einer Regierung sitzt. Zuletzt sah man die SPÖ beim Spargelessen mit Jörg Haider oder sie verharmloste Straches "Paintballübungen". Geht die SPÖ mit Rechtspopulisten jetzt wieder anders um?

Rudas: Es wird uns jeden Tag aufs Neue bewiesen, dass man mit der FPÖ keine Koalition machen kann. Natürlich wird es punktuelle Zusammenarbeit geben, wir sind auch offen für Ideen. Aber die Ideen der FPÖ sind vollkommen absurd und unfinanzierbar. Strache ist ein Maulheld. Zum Kurs der SPÖ: Wir sind die Partei, die eine Koalition mit der FPÖ immer ausgeschlossen hat und zwar nicht immer zu unserem strategischen Vorteil.

Kräuter: Wir werden im Parlament mit allen Parteien sehr sachorientiert zusammenzuarbeiten, das ist bei Zwei-Drittel-Materien erforderlich.

Rudas: Es heißt oft, man muss ganz offen sein, weil die FPÖ Probleme anspricht. Ich brauche keinen Strache, um zu wissen, dass es Probleme bei der Integration gibt.

derStandard.at: Der starke Zuwachs bei den rechten Parteien unter den Jungwählern wird von der SPÖ mit Protesthaltung erklärt. Halten Sie diesen Schluss nicht für zu simpel?

Rudas: Es steht niemanden zu, über Wähler zu urteilen. Man muss sie fragen. Mir haben viele erklärt, dass sie die FPÖ aus Protest gewählt haben. Sie wollten eine Warnung abgeben. Zweitens: Die FPÖ ist enttabuisiert, viele sind ja mit Schwarz-Blau aufgewachsen, sicher haben manche die Radikalität der FPÖ nicht gesehen. Ich denke, die überzeugten FPÖ-Wähler sind die Minderheit. Analysen wie Strache war in der Disko und deshalb haben ihn alle gewählt, sind nicht tauglich. Man kann eine Gruppe von Menschen nicht so simpel erklären

derStandard.at: Herr Kräuter, Sie haben gesagt, in vier, fünf Jahren wird es keine Ellbogengesellschaft mehr geben. Was stimmt sie so optimistisch?

Kräuter: Viele junge Menschen sind bereit, sich zu engagieren. Sie brauchen nur die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse zu entfalten. Die Erkenntnis, dass die coolen Jungs, die mit Milliarden jongliert haben, grandios gescheitert sind, ist jetzt da. Jetzt ist die Phase, in der die bittere Zeche zu bezahlen ist. Aber aus dieser Erkenntnis entsteht etwas Neues, ein anderer Zusammenhalt.

derStandard.at: Apropos Ellbogengesellschaft. Wie kommt es, dass die SPÖ ihre selbst gestreckte Frauenquote in der Höhe von 40 Prozent weiblichen Abgeordneten nicht erfüllt?

Rudas: Das ist in keinster Weise schön zu reden. 40 Prozent sind ohnehin ein Kompromiss. Das liegt an uns selber. Es liegt nicht daran, dass zu wenig engagierte, tolle Frauen in der Sozialdemokratie sind. Aber wir Frauen in der Sozialdemokratie halten sehr zusammen und fördern uns auch gegenseitig.

Kräuter: Wir haben mit Barbara Prammer eine Frau im zweithöchsten Amt im Staat. Man muss schon auch sehen, dass Entwicklungen gibt, die sehr ok sind.

derStandard.at: Hat der Wahlkampf für die NR-Wahlen 2013 eigentlich schon begonnen?

Rudas: Wichtiger sind die Zeiten zwischen dem Wahlkampf. Man gewinnt die Wahlen mit guter und ergebnisorientierter Politik.

derStandard.at: Herr Kräuter. Sie haben eine Website auf der Sie sich und Ihre Ideen präsentieren. Die Url lautet www.zukunft.spoe.at. Sind Ihre Genossen nicht beleidigt, wenn Sie diese bedeutungsträchtige Internetadresse für sich alleine beanspruchen?

Kräuter: Ich habe mich gewundert, warum so eine spektakuläre Wortfolge frei war. Die habe ich mir natürlich als damaliger Bezirksabgeordneter geschnappt und im Wahlkampf 2000 eingesetzt. Sollte die SPÖ diese Adresse benötigen, stelle ich sie gerne zur Verfügung. (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 15. Dezember 2008)