Foto: Herzenberger

 Lüge und Wahrheit liegen auch im SMS dicht beieinander. Nur dringt man zwischen allen Floskeln so schwer zum jeweiligen durch. In Laura de Wecks Lieblingsmenschen reicht das Sensorium der fünf Protagonisten nicht aus, um die emotionalen Leerstellen ihrer Handy-Kommunikation mit Dauerhaftem zu füllen.

Die vermeintlich lebenslustige Jule (Lisa Fuchs), die Romantik suchende Lili (Judith Richter) und die das Mittelmaß fliehende Anna (Nicola Trub), Studentinnen allesamt, suchen einen Erlebnishorizont jenseits der Textnachricht. Doch ihr Annäherungsversuch an das Wagnis Identität steckt in Worthülsen fest. Die aggressiv angetragenen Befreiungsschläge ihrer männlichen Kommilitonen, die bei Darius (Stefan Fent) dämonisch ausfallen, bei Sven (Ferdinand Kopeinig) Richtung Ereignishunger kippen, fruchten nicht. Der einzig authentische, im Stück abwesende Phillip entzieht sich dem Reigen. Durch Selbstmord.

In der Regie von Alexander Kratzer bildet das leichtlebige Studentendasein ganz im Sinne de Wecks den Rahmen. Das Ensemble weiß sie mit Sprachsensibilität und differenziertem Spiel zu füllen. Stimmig gerät auch die Ausstattung Alexia Engls, die eine sowohl brüchige wie ungelenke Gefühlswelt auf ein Glashausdach mit Dancefloor-Anmutung stellt. (wos, DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.12.2008)