Gerlinde Kaltenbrunner.

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Was zählt ein Sieg, wenn man ihn mit dem Leben bezahlt? Die Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner warnt davor, den Erfolg herbeizwingen zu wollen. Sogar, wenn er zum Greifen nah scheint.

Frage: Frau Kaltenbrunner, was können Bürobewohner von Bergsteigern lernen?

Antwort: Vorbereitung ist alles - aber es kann und wird immer anders kommen. Da zählt es, Ruhe bewahren zu können: Es ist überlebenswichtig, auch in den schwierigsten Situationen klar denken zu können. Panik ist der schlechteste Berater.

Man muss Optimist sein - aber gleichzeitig realistisch. Es hilft nichts, Dinge schwarzzureden - aber man muss den Fehlschlag vorher mit einkalkulieren. Und man muss wissen, wann man umdreht. Das gehört dazu - und das ist wahnsinnig schwer. Erst recht, wenn das Ziel vor einem liegt und der Berg zum Greifen nahe ist: Umdrehen und Nein sagen - das ist die wahre Kunst. Druck von Sponsoren oder Partnern zählt da nicht - denn man muss sich ganz klar fragen: Will ich überleben?
Ich überlege nach so einer Entscheidung nie, ob es nicht doch gegangen wäre: Ich lebe. Es gibt den nächsten Versuch - den gäbe es nach einer wirklich falschen Entscheidung nicht.

Darum dürfen auch Laien am Berg die Eigenverantwortung nie abgeben: Auch Bergführer machen Fehler - aber Fragen stellen Kompetenz nicht infrage. Sie helfen, als Team zu arbeiten. Und manchmal bewahren sie vor tödlichen Fehlern. (DER STANDARD; Printausgabe, 13./14.12.2008)