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Italiens Postchef Massimo Sarmi auf einem elektronischen Rad, wie es die Postler haben.

Foto: Reuters/Casilli

"Wir werden keine Postämter schließen. Wir sind uns der sozialen Funktion der 14.000 Postämter in Italien bewusst und versuchen unser Geschäftsmodell so auszurichten, dass weder Entlassungen noch Stilllegungen notwendig sind" , bestätigte der Chef der italienischen Post, Massimo Sarmi. Es ist sogar geplant, dass die Postämter künftig auch Geburts-, Ehe- und Residenz-Urkunden ausgeben.

Im Gespräch mit dem STANDARD zeigte Sarmi für die Entwicklung in Österreich, die Schließung von zahlreichen Postämtern, wenig Verständnis. Während andere Länder ihren Postbetrieb in Telekommunikation, Bankgeschäft, Brief- und Paketgeschäft gesplittet haben, hat Italiens Poste Italiane das Geschäft der Bancoposte behalten und bietet seit einem Jahr auch einen Handydienst zum Geldüberweisen. Heuer werden 700.000 Kunden, 30 Prozent mehr als erwartet, davon Gebrauch machen. Zudem hat sich die Poste Italiane massiv im Kartengeschäft engagiert: Insgesamt wurden zwölf Mio. Karten ausgegeben, dabei auch die erfolgreichen Prepaid-Karten, die zu den wichtigsten Innovationen des Postchefs zählen.

Einlagen steigen

Über die seit Jahren zur Diskussion stehende Privatisierung der Post ist es eher still geworden. "Zu Krisenzeiten spricht man nicht über einen Börsengang" , kommentierte Sarmi den gegenwärtigen Stand. Hingegen ist die Liberalisierung beim Brief- und Paketgeschäft bereits ins Rollen gekommen. "Die Marktöffnung ist voll im Gange."

Über die Hälfte des Umsatzes von 17 Mrd. Euro entfallen bei der Poste Italiane bereits auf Finanzdienstleistungen. "Wir haben in den letzten Monaten von der Finanzkrise profitiert" , so der Postchef. Die Einlagen werden heuer "um einige Prozentpunkte" auf 300 Mrd. Euro steigen. Im Oktober haben sich die Einlagen auf Postsparbüchern und Anleihen gegenüber dem Vormonat nahezu verdoppelt. Der Grund ist, dass die 100-prozentige Posttochter Bancoposte als sicherer Hafen gilt. Da sie keine Banklizenz hat, ist sie verpflichtet, ihre Einlagen in italienische Staatspapiere zu investieren. "Das ist uns zugute gekommen" , kommentiert Sarmi den unerwarteten Erfolg.

Konträre Marktentwicklung

Auch bei den Lebensversicherungen "Poste Vita" setzte sich im laufenden Jahr der Aufwärtstrend trotz konträrer Marktentwicklung fort. Heuer wird ein Prämienvolumen von sechs Mrd. Euro, nach 5,5 Mrd. im Vorjahr, erwartet.

Nun beabsichtigt der dynamische Postchef auch in der Schadensparte zu expandieren. Um technologisch auf dem neuesten Stand zu sein, werden sämtliche Briefträger mit innovativen Handyapparaten ausgestattet, auf denen sämtliche Postbewegungen registriert werden können. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.12.2008)