Frauen greifen immer öfter zur Zigarette - ob in China oder Österreich. Hierzulande sind es vor allem die jungen.

Doch es gibt auch kulturabhängige Unterschiede im Suchtverhalten,  sagt Gabriele Fischer von der Wiener Drogenambulanz.

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Wien - Laut einer aktuellen Studie rauchen 58 Prozent aller kanadischen Ureinwohner, der Inuit. Das ist die höchste Raucherquote weltweit. Ein besonderes Problem, das nun auch durch staatliche Kampagnen bekämpft werden soll, stellt bei dieser Volksgruppe - anders als etwa in Europa - das Rauchen in den eigenen vier Wänden dar. Auch in den USA ziehen sich die Raucher laut Gabriele Fischer, Leiterin der Drogenambulanz an der Med-Uni Wien, mehr und mehr ins Private zurück. "In den höher gebildeten Schichten, wo es darum geht, sich unter Kontrolle zu haben, ist es nicht en vogue zu rauchen", erzählt Fischer. Es gelte vielmehr, regelmäßig ins Fitnesscenter zu gehen. Wegen der Stigmatisierung werde immer weniger öffentlich zur Zigarette gegriffen.

Rauchen ist, wie jegliches Suchtverhalten, jedenfalls kulturabhängig - wie Studien zeigen. Wobei sich die Sucht von Migranten auch an ihr neues Lebensumfeld anpasst. Umgekehrt bemerkt Fischer auch eine Verwestlichung im Rauchverhalten. "In China rauchen immer mehr Frauen, obwohl das stets eine ausschließliche Männerdomäne war", sagt die Drogenexpertin.

Auch in Österreich steigt die Zahl der zum Glimmstängel greifenden Frauen, vor allem unter den jungen. "Unter den jugendlichen Rauchern haben die Mädchen die Burschen überholt", sagt Fischer: Diese wollten mit ihrem Verhalten oft Selbstständigkeit, Autonomie und Coolness ausstrahlen. Noch rangieren aber mit 40,2 Prozent Raucheranteil in Österreich die Männer vor den Frauen, von denen 35,5 Prozent nikotinsüchtig sind.

Stress als Suchtfaktor

Wobei es auch bei den hinter dem Griff zur Zigarette steckenden Ursachen geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. "Bereits nikotinentwöhnte Frauen werden in der Regel dann rückfällig, wenn es besonderen Stress gibt, während Männer öfter dann wieder zur Zigarette greifen, wenn sie besonders entspannt sind", sagt Fischer. Stark gestresst und suchtgefährdet seien vor allem Frauen im Alter von 30 bis 45 Jahren, die mitten im Beruf stehen, oft Kinder und vielleicht auch noch alte Menschen zu Hause pflegen. Die Durchschnittsraucherin in Österreich ist 47 Jahre alt, der Raucher 48 Jahre.

Was Fischer sehr alarmierend findet: Frauen nehmen beim Rauchen auch - oft ohne sich dessen bewusst zu sein - besonders viele Schadstoffe zu sich. "Frauen rauchen meist milde Zigaretten, mit weniger Nikotin." Doch diese enthalten mehr Schadstoffe als andere Zigaretten (siehe Artikel links). Hinzu kommt laut Fischer, dass Frauen aus hormonellen Gründen Nikotin auch schneller abbauen als männliche Raucher.

Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede im Rauchverhalten müssen erst tiefgründig erforscht werden und finden in der Rauchentwöhnung noch kaum Berücksichtigung. Ein Problem haben aber Männer wie Frauen, wenn es darum geht, dem Nikotin zu entsagen: "Man nimmt den Leuten etwas, was lange positiv besetzt war", beschreibt Fischer. Von breit angelegten Plakataktionen und Slogans, die Rauchen für "uncool" erklären, hält die Suchtexpertin daher wenig. "Solche Maßnahmen zielen völlig an der Zielgruppe vorbei und haben überhaupt keinen Effekt", meint sie. Viel besser wirke der direkte Kontakt zwischen Arzt und Patienten.

Außerdem müsse bei der Raucherentwöhnung noch stärker das Umfeld berücksichtigt werden. Fischer: "Tabletten allein könnten nicht weiterhelfen. Ich muss mir klarmachen, wann und warum ich rauche, und überlegen, wie ich mein Verhalten ändern kann." (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 13./14.12.2008)