War da jemand? - Karl Heinz Grasser (li.) und Franz Klammer bei der Präsentation des Sozialfonds im Concordia-Club.

Zugegeben, was sind schon in Zeiten der Finanzkrise 70.000 Euro? Nach altem Geld gerade mal eine Million Schilling. Läppisch, gegenüber den enormen Summen, die täglich für marode Banken oder angeschlagene Firmen ausgegeben werden. Trotzdem lohnt es sich, einen kurzen Blick auf diese 70.000 Euro zu werfen.

Einer Meldung im STANDARD war vor kurzem zu entnehmen, dass der Sozialfonds von Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser still und leise abgewickelt wurde.

Bis 2008 wurden, so der für den Fonds zuständige Notar Christian Mayer, 70.000 Euro "in medizinische und psychologische Therapien für Kinder und an Institutionen, die in dem Bereich aktiv sind" gesteckt.

Klingt plausibel. Wir erinnern uns: Im Jänner 2004, der damalige Finanzminister Karl Heinz Grasser steht politisch wegen einer Spende in der Höhe von 283.000 Euro der Industriellenvereinigung (IV) unter Druck, wird im Presseclub Concordia der "Grasser Sozialfonds" präsentiert. Im Kuratorium: Georg Weißmann (Präsident der Notariatskammer), Franz Klammer (Ski Legende), Karin Landauer (Wiener FPÖ-Landtagsabgeordnete), Martina Mautner Markhof (SOS Kinderdorf-Förderin) und Prof. Max Friedrich (Kinderpsychologe).

Die Jahre vergehen ...

Der Sozialfonds ist mit 40.611 Euro dotiert und soll, so die Fondsgründer, "in jedem Fall schwerpunktmäßig in Not geratenen Kindern zu Gute kommen." Die Gelder kommen von Banken und diversen Privatpersonen. Auch Karl Heinz Grasser selbst spendet 1.000 Euro für seinen Fonds.

Monate vergehen, es passiert nichts. Im Sommer 2004 berichtet das Nachrichtenmagazin profil: "Grasser-Sozialfonds: Bisher nichts ausbezahlt." Max Friedrich, Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Wiener AKH und Mitglied des Grasser-Sozialfonds-Kuratoriums hofft, "dass innerhalb der nächsten 14 Tage mit der Ausschüttung der Gelder begonnen werden kann".

Jahre vergehen und der "Grasser-Sozialfonds" arbeitet still und leise. Auch von Max Friedrich, medial durchaus umtriebig, hört man nichts mehr über den Fonds. Karl Heinz Grasser ist längst in der Privatwirtschaft und bei Julius Meinl. Im Oktober 2007 berichtet das nämliche Wochenmagazin erneut über Aktivitäten des Vereins: "Grassers Sozialfonds steht vor dem Aus."

Der Fondsverwalter Christian Mayer bestätigt das Ende des Fonds. Mayer: "Die Mittel waren an bedürftige Familien ausgeschüttet worden." Wer zu schön, wenn man wissen würde, welche Familien, Kinder oder Institutionen sich über eine Spende aus dem Fonds freuen durften.

Vielleicht kann uns das Fonds-Aktivist Franz Klammer oder Herr Professor Friedrich das bei einem seiner nächsten Medienauftritten einmal erläutern. Es wäre der vorweinachtlichen Spenden- und Besinnungszeit wohl angemessen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.12.2008)