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Patricia da Silva Armani (Bild Mitte), die Cousine des erschossenen Brasilianers, bei einer Pressekonferenz in London.

Foto: Reuters/Winning

London - Die gerichtliche Untersuchung der tödlichen Schüsse auf einen unschuldigen Brasilianer in der Londoner U-Bahn vor gut drei Jahren hat erhebliche Zweifel am rechtmäßigen Handeln der Polizei ergeben. Nachdem Untersuchungsrichter Michael Wright es der Jury nicht erlaubt hatte, den Tod von Jean Charles de Menezes als Mord einzustufen, fällten die elf Geschworenen am Freitag ein "offenes Urteil". Dieses besagt nach britischem Recht, dass die Todesursache nicht geklärt werden konnte. Der 27-jährige Menezes war mit sieben Schüssen in den Kopf getötet worden, als die Polizei nach den Tätern der Selbstmordanschläge in London vom 7. Juli 2005 fahndete. Die Beamten hatten den Elektriker für einen flüchtigen Terroristen gehalten.

In ihrem Urteil äußerte die Jury Zweifel an der Aussage der befragten Scotland-Yard-Beamten. Sie stufte insbesondere die Aussage eines Polizisten als unglaubwürdig ein, er habe vor der Eröffnung des Feuers auf de Menezes zur Warnung "Bewaffnete Polizei" gerufen. Außerdem wiesen die Geschworenen die Darstellung zurück, der Brasilianer habe sich vor den Schüssen auf die Polizisten zu bewegt.

"Vollständige Vertuschung"

Untersuchungsrichter Michael Wright hatte Anfang Dezember entschieden, die Jury dürfe den Tod von de Menezes nicht als Mord einstufen. Er wolle damit aber nicht sagen, dass bei dem Polizeieinsatz nichts schief gegangen sei, führte er aus. De Menezes' Familie warf dem Richter vor, an "einer vollständigen Vertuschung der Angelegenheit" beteiligt zu sein.

Die Angehörigen des Brasilianers forderten nun eine Untersuchung von Wrights Entscheidung. Mit dem offenen Urteil der Jury zeigten sie sich aber "sehr zufrieden". Es handle es um eine "kurze und bündige Kritik", sagte die Mutter des Opfers, Maria Ortone de Menezes, bei einer Pressekonferenz in London. Die britischen Behörden forderte ein Sprecher der Familie auf, ihre "Politik des Schießens, um zu töten" aufzugeben. (APA)