ModeratorIn: Lieber Herr Klugar, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen heute mit uns zu chatten. Liebe UserInnen wir freuen uns auf eine interessante Diskussion.

Peter Klugar: Ich freue mich, dass ich hier sein kann und bin schon sehr gespannt aus welchen Bereichen Fragen kommen werden.

UserInnenfrage per Mail: Christian Schauer: Wie rechtfertigt man Pendler schlechtere Fahrpläne, mehr Kosten oder immer längere Fahrtzeiten? Wieso ist das Personal in den Zügen unfreundlich? Wieso sind Züge dreckig bzw. ist das Personal nicht fähig die Klimanlagen einzustell

Peter Klugar: Schade, dass Sie so einen schlechten Eindruck von der Qualität des Eisenbahnverkehrs bekommen haben. Das Ziel des neuen Fahrplans ist ganz im Gegenteil die Verbesserung des Angebotes durch mehr Züge, kürzere Umsteigezeiten und damit auch kürzere Fahrzeiten. Im Bereich des rollenden Materials sind wir derzeit dabei durch erhebliche Investitionen die Qualität zu verbessern. Ich denke dabei an die neuen Nahverkehrstriebwagen und im Fernverkehr an den Railjet.

Dorian Gray: Hr.Haselsteiner will ja ab 2011 auf der Strecke Wien Salzburg fahren. Ein Selbstläufer auf dieser Strecke Gewinne einzufahren. Da besteht doch die Gefahr wie bei der Post dass Gebiete die sich kaufmännisch nicht auszahlen auf der Strecke bleiben. Is

Peter Klugar: Im Eisenbahnverkehr ist die Situation deutlich anders als bei der Post, da im Nahverkehr und insbesondere auf Nebenstrecken durch die Bestellungen des Bundes und der Länder wirtschaftlich nicht attraktive Bereiche finanziell abgegolten werden. Ihre Befürchtung ist jedoch im Fernverkehr, der rein kommerziell betrieben wird, nicht von der Hand zu weisen, da geringere Einnahmen auf der Westbahn auf anderen Fernverkehrstrecken zu einem verminderten Angebot führen könnten.

Helmut Wolf: Wann gibt es in den Speisewagen der ÖBB Kassabelege wie bei DB und SBB schon lange selbstverständlich?

Peter Klugar: Diese Frage muss man an den jeweiligen Betreiber des Speisewagens richten, da einige Unternehmen in Österreich die Bewirtschaftung auf eigene Rechnung übernommen haben. Es werden jedoch in den Speisewagen Rechnungen ausgestellt.

soulknot: Guten Tag Hr. Klugar. Warum ist es nicht möglich zwischen dem süddeutschen Raum und Norditalien/Slowenien eine effiziente (mit kurzen Verladezeiten) RoLa zu etablieren? Wäre ein Ansatz bei der Zugbeladung wie im Armelkanaltunnel hier nicht auch mögl

Peter Klugar: Der Schwerpunkt des RoLa-Verkehrs zwischen Italien und Deutschland läuft derzeit über den Brenner. Wir arbeiten an Konzepten zur Ausweitung des RoLa-Verkehrs. Die Umsetzung hängt natürlich von den betrieblichen, technischen Möglichkeiten und natürlich von der Nachfrage ab. Derzeit laufen Planungen für eine RoLa-Verbindung von Triest nach Österreich.

Dorian Gray: Was halten Sie von der Aussage des neuen Wirtschaftministers die ÖBB zu privatisieren in einer Zeit wo andere Länder die Eisenbahnen bereits wieder verstaatlichen (Neuseeland, GB) weil diese Methode kläglich gescheitert ist.

Peter Klugar: Im Vordergrund unserer Bemühungen steht die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaften im Konzern gegenüber der Straße und den Wettbewerbern auf der Schiene. Die Frage des Eigentums ist natürlich eine Entscheidung die beim Staat liegt. Zweifelsohne keinen Sinn macht die Privatisierung der Eisenbahninfrastruktur. Hier gebe ich Ihnen Recht, dass ausländische Beispiele wie in England zu keinem guten Ergebnis geführt haben.

Bergschuh: S.g. Herr Klugar! Wissen Sie, daß für ein Auto vier Motorräder am Autoreisezug Platz haben, für diese aber 396 Euro bezahlt werden muss und für ein Auto 149,- Euro? Wien - Florenz für 2 Personen & 1 Motorrad schlägt mit ca. 350,- Euro zu Buche.

Peter Klugar: Die Autoreisezüge Richtung Süden sind in der Saison gut ausgelastet. Ich gehe daher davon aus, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

UserInnenfrage per Mail: Es gab heuer heftige Diskussionen über Arbeitsplatzabbau Post, Telekom, ORF. Wird die Diskussion auch in den ÖBB geführt werden müssen?

Peter Klugar: Die ÖBB haben in den letzten Jahren die Zahl ihrer Mitarbeiter sehr deutlich reduziert. In der Zukunft wird es einige Bereiche geben wo wir durch Automatisierung weniger Mitarbeiter brauchen. Es gibt jedoch auch Unternehmensteile, insbesondere auf der Marktseite, wo zusätzliche Mitarbeiter gebraucht werden. Die Entwicklung der Zahl der Mitarbeiter wird aus diesem Grund im hohen Maße von der Marktlage abhängen.

Manfred Bieder: Wie können riskante Spekulationen wie sie in der Vergangenheit gemacht wurden, von ÖBB-Seite verhindert werden?

Peter Klugar: Wir haben unsere Geschäftsordnungen und -regelungen so verändert, dass Geschäfte mit hoch spekulativem Hintergrund für die Zukunft verhindert werden.

UserInnenfrage per Mail: Haben sich die heuer schon einmal sehr hohen Treibstoffkosten auf die Fahrgastzahlen ausgewirkt und tun das umgekehrt die derzeit sehr niedrigen Preise auch?

Peter Klugar: Im Personenverkehr hat sich die Zahl der Reisenden in den letzten Monaten um durchschnittlich 7% erhöht. Der Höhepunkt des Zuwachses war in der ersten Jahreshälfte. Wir gehen davon aus, dass insbesondere durch die Verbesserung des Angebotes - neues rollendes Material, Taktfahrplan, bessere Anschlüsse - zusätzliche Reisende für den öffentlichen Verkehr auf Schiene und Bus gewonnen werden können.

Whitesnake83: Wie glauben Sie kann das Image der ÖBB verbessert werden? Ist es nicht auch Tatsache, dass Herr und Frau Österreicher gerne über Betriebe schimpfen, die in Staatshand sind?

Peter Klugar: Ich glaube, dass Unternehmen die im Staatsbesitz sind naturgemäß stärker im öffentlichen Interesse stehen und deshalb auch immer wieder kritisch betrachtet werden. Trotzdem ist es eine Tatsache, dass die Bahn in Österreich im europäischen Vergleich sehr stark genutzt wird. Bei der Zahl der Reisenden pro Einwohner liegen wir in Westeuropa an dritter Stelle.

root66: S.g. Herr Klugar, trotz enormer Inverstitionen klagen PendlerInnen darüber, dass sich die Situation im Nahverkehr eher verschlechtert als verbessert hat. Sehen sie das auch so?

Peter Klugar: Ich sehe das nicht so. Insbesondere mit diesem Fahrplanwechsel haben wir 3,5 Mio. Zugkilometer mehr und 4,5 Mio. Buskilometer mehr. In den letzten Jahren wurden auch einige Nahverkehrssysteme neu entwickelt und wurden vom Kunden sehr gut angenommen. Ich denke dabei beispielhaft an die S-Bahn im Großraum Graz und an das Schnellbahnsystem in Salzburg.

danieln: Wie sind die Erfahrungen der ÖBB mit Cross Border Leasing? Ich habe gehört es gab Probleme weil Garnituren verkauft werden hätten sollen aber es durch die Konstruktion nicht ging?

Peter Klugar: Cross Border Lease war in den späten 90er Jahren eine Art der Finanzierung die von vielen Unternehmern angewendet wurde. Die Änderung in der amerikanischen Steuergesetzgebung lässt solche Möglichkeiten heute nicht mehr zu. Darüber hinaus sprechen einige Nutzungseinschränkungen aus heutiger Sicht gegen diese Form der Finanzierung.

UserInnenfrage per Mail: Wann wird es die nächste Preiserhöhung bei der Bahn geben?

Peter Klugar: Mit Ende dieses Jahres gibt es keine Preiserhöhung. Darüber hinaus ist bis Mitte 2009 keine Anpassung der Tarife vorgesehen.

Josef Bruckschlögl: Sehr geehrter Herr Generaldirektor, wie hat sich das generelle Rauchverbot in Zügen ausgewirkt. Reisen dadurch heute mehr Personen als früher mit dem Zug. Gibt es dazu Zahlen?

Peter Klugar: Wir haben durch den Wegfall der Raucherwagons zusätzliche Reisende gewonnen, da in den Raucherwagons die Auslastung um ca. 70% unter den Nichtraucherwagons gelegen ist und bei stark frequentierten Zügen jetzt mehr Kunden befördern können.

excel rose: Guten Tag Herr Klugar! Können Sie etwas konkreter sagen, wo genau Sie durch "Automatisierungen" Mitarbeiter einsparen können, und in welcher Größenordnung sich das bewegen könnte? Danke!

Peter Klugar: Wie viele Insider wissen investieren wir seit mehreren Jahren in moderne Stellwerkstechnik im Bereich der Infrastruktur. Diese Investitionen erhöhen die Qualität und Sicherheit der Betriebsführung. In diesen Bereichen werden wir weiter investieren. Die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind über diese Maßnahmen informiert. Frei werdende Dienstposten müssen in diesem Fall nicht nach besetzt werden.

der Guru1: Finden Sie es richtig dass die ÖBB in Spekulationsgeschäften investiert und bei Verlust dann der Steuerzahler quasi zahlen muss, da die ÖBB ja vom Staat subventioniert wird? Bzw dass dann nichtmal das gesamte Managment ausgetauscht wird?

Peter Klugar: Ich habe schon darauf hingewiesen, dass Geschäfte dieser Art in der Zukunft nicht mehr getätigt werden. Wir sind derzeit dabei Lösungen zu suchen die den Schaden der sich durch die Finanzkrise ergeben hat möglichst gering zu halten.

Fetznschädel: Wann wird die Vorteilscard endlich für ÖBB-Busse gelten?

Peter Klugar: Es werden derzeit Modelle diskutiert, die entsprechende Ermäßigungen sowohl im Bereich des Busses als auch auf der Schiene bieten werden.

Gerald Ull: S.g. Herr Klugar! Wird sich die finanzkrise auf den Baustart des eigentlichen Koralmtunnels auswirken bzw. wird noch heuer wie angekündigt mit dem Baustart begonnen mfG Gerald ULL

Peter Klugar: Die Bauarbeiten auf den Zulaufstrecken der Koralmbahn sind bereits im Gange. Der eigentliche Koralmtunnel wird begonnen sobald die entsprechenden Vorarbeiten abgeschlossen sind. Die Finanzkrise hat auf die Investitionsvorhaben keine Auswirkungen, da es insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sinnvoll ist, die Infrastruktur auszubauen.

davroi: gibt es schon einen konkreten Zeitplan wann das "Österreich-Ticket" (d.h. Ticket für sämtliche Verkehrsmittel - ÖBB + private) angeboten werden wird und zu welchem Preis? Zuerst sollte es ja 2008 kommen, dann am 1.1.2009 nur derzeit ist es wieder ru

Peter Klugar: Derzeit laufen Verhandlungen zwischen den Gebietskörperschaften, den Verkehrsverbünden und den Unternehmern. Wir hoffen, dass es möglich sein wird, diese Verhandlungen so bald wie möglich positiv abzuschließen.

Dorian Gray: Was halten Sie eigentlich von der Forderung von manchen Gruppierungen den öffentlichen Verkehr überhaupt kostenlos zu machen. Man würde sich ja auch einiges ersparen, wie Vertriebsnetz, Schaffner. Von Nutzen für die Unwelt ganz zu schweigen

Peter Klugar: Ich bin skeptisch, dass es sinnvoll ist im öffentlichen Verkehr einen Nulltarif einzuführen. Dies würde erhebliche kosten verursachen, die dann auf die Allgemeinheit abgewälzt werden müssten und dient letztlich nicht der angestrebten Kostenwahrheit im Verkehr. Darüber hinaus sollte man beachten, dass der öffentliche Verkehr in Österreich günstiger ist als in vielen anderen europäischen Ländern.

Bax Baxter: Wie können Sie es verantworten, dass ÖBB Reisende, die einen Fahrschein gekauft haben, auf der Westbahnstrecke a) keinen freien Sitzplatz bekommen, b) zum Wechseln in einen Anschlusszug in St. Pölten aufgefordert werden bzw c) durch Security Bediens

Peter Klugar: Ein gewaltsames aus dem Zug drängen ist aus meiner Sicht unentschuldbar. Durch den zusätzlichen Einsatz von rollenden Material, z.B. Railjet, wird in der Zukunft das Sitzplatzangebot erhöht. In Spitzenzeiten wie jetzt vor Weihnachten ist es aber dringend notwendig eine Sitzplatzreservierung vorzunehmen.

Manfred Bieder: Sie sollen 20 Prozent weniger verdienen als Ihr Vorgänger Huber. Stimmt das? Finden Sie das nicht ungerecht?

Peter Klugar: Das stimmt.

Atamanov: Wie wird die Restrukturierung der beiden Infrastruktur AG’s im Detail aussehen. Welche Vorteile erwarten sie für das Unternehmen und bis wann soll sie abgeschlossen sein?

Peter Klugar: Im Bereich der Infrastruktur wird es einen Infrastrukturbetreiber geben, der für die Trassenvergabe, Betriebsführung und das Anlagenmanagement verantwortlich sein wird. Darüber hinaus wird es eine Organisationseinheit geben, die die konkreten Arbeiten als Dienstleister durchführt. Voraussetzung dieser Änderung ist eine Anpassung des Bundesbahnstrukturgesetzes durch das Parlament. Ich hoffe, dass im Jahre 2009 diese Organistionsanpassung umgesetzt werden kann.

huni: wie kann es sein, dass ich von ybbs an der donau im jahr 1988 in 1h20min in wien war, und heute dazu mindestens 1h29 brauche, und abends nur um 18:10 und 22:57 ein zug durchgeht? warum gibt es in der 2.kl keine steckdosen für laptops und warum keine

Peter Klugar: Im modernen Wagenmaterial sind auch Steckdosen in der 2. Klasse vorhanden. Durch die Inbetriebnahme der Neubaustrecke Wien -St. Pölten wird sich die Reisezeit ab Ende 2012 gravierend verkürzen.

to mate: Wieviele Bahnkilometer fahren Sie pro Jahr?

Peter Klugar: Ich bin sehr viel mit dem Zug unterwegs. Ich fahre sowohl privat als auch dienstlich mit dem Zug. Ich bin auch ein kritischer Bahnfahrer und bekomme damit einen guten Überblick über unser Angebot.

ModeratorIn: Lieber Herr Klugar, vielen Dank fürs Kommen. Liebe UserInnen danke für die zahlreichen Fragen, die wir leider bei weitem nicht alle beantworten konnten. Allen noch einen schönen Tag.

Peter Klugar: Ich bedanke mich für die vielen interessanten Fragen und sehe, dass die Bahn auch in der Chat-Community ein wichtiges Thema ist, und hoffe, dass Sie unser Zug- und Busangebot häufig nützen.