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Horst Tappert spielte 25 Jahre den ZDF-Kommissar "Derrick". Er starb am Montag mit 85 Jahren in einer Klinik in München.

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Es war schon richtig, dass Oberinspektor Stephan Derrick in der letzten Folge 1998 nicht durch die Kugel irgendeines Mörders starb. Sondern nach einer Beförderung zu Europol sein Einsatzgebiet München verließ: Legenden sterben nicht.

Stecktuch und Krankenkassabrille

Horst Tappert machte Derrick zur Legende. Ein Kunststück, wie man im Nachhinein und in der schnelllebigen von Echtzeitserien und Gerichtsmedizinern bestimmten Fernsehwelt sagen kann. Einen sich und sein Spiel mehr zurücknehmenden Serienermittler hat es nie gegeben. Der von Autor Herbert Reinecker erfundene Kommissar hatte freilich nicht viele Möglichkeiten, Heldentum zu beweisen. Reinecker wollte aus Tappert einen deutschen Columbo machen und gab den Mörder am Anfang bekannt. Das Publikum verweigerte und forderte das Herkömmliche ein.

Irgendwann spielten die Krimis nur noch unter Steinreichen. Die Mörder waren meist jene mit Vermögen. 25 Jahre war Tappert der überkorrekte, deutsche Ermittler mit Stecktuch und Krankenkassabrille. Einen solchen brauchten offenbar nicht nur deutschsprachige Sender: Derrick ermittelte in hundert Ländern der Welt. Nach dem Krieg kam der 1923 in Wuppertal Geborene zum Theater.

"In Italien haben sie Horst die Füße geküsst"

Den deutschen Film prägte er mit Rollen in Die Trapp-Familie in Amerika oder Und Jimmy ging zum Regenbogen. Tappert war dabei, als es im Fernsehen noch den "Straßenfeger" gab: Der Durbridge-Krimi Das Halstuch war ein solcher. Die Edgar-Wallace-Krimis der 1960er sind heute Kult. "In Italien haben sie Horst die Füße geküsst. Dort haben sie den Papst, gleich danach kommt Derrick", sagte Kollege Fritz Wepper. "Was kommt nach dem Tod?", fragte ein Journalist. "Nichts", antwortete Tappert mit der Logik des Ermittlers: Im Himmel müsse es ansonsten ein unbeschreibliches Gedränge geben.

Horst Tappert starb in einer Klinik in München. Er hinterlässt seine Frau Ursula und drei Kinder. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 16.12.2008)