Wien - An ihrem letzten Arbeitstag als Richterin im Gerichtssaal legte die designierte Justizministerin Claudia Bandion-Ortner selbst ein Geständnis ab: "Ein bisschen Wehmut ist schon dabei" , bekannte sie im Standard-Gespräch. Es war vor ihrem Wechsel in die Bundespolitik das letzte Mal, dass sie als beisitzende Richterin im Wiener Landesgericht aktiv war - bei einem Prozess, der bereits am 10. November begonnen und vertagt worden war.

Davon, dass Bandion-Ortner wie "vom Erdboden verschluckt" sei, wie Die Presse vergangenen Samstag titelte, kann jedenfalls keine Rede sein. Dass sie zwischendurch an einer Grippe erkrankte, war (nicht nur gerichts-) bekannt - es war auch am Montag im Gerichtssaal noch deutlich zu hören. Schon in der Vorwoche war Bandion-Ortner aber wieder als Beisitzerin in einem anderen Prozess im Einsatz. Denn noch ist sie als Richterin aktiv und muss ihren Pflichten im Landesgericht nachkommen - die Einteilung als beisitzende Richterin bei Geschworenenprozessen war bereits Anfang 2008 erfolgt.

Letzter Bawag-Feinschliff

Der Hauptgrund, warum Bandion-Ortner noch nicht ins Justizministerium wechseln konnte, ist die Niederschrift des umfassenden Urteils im Bawag-Prozess, den sie als Vorsitzende geführt hatte. "Ich bin inzwischen schon bei der Korrektur und beim Feinschliff" , so Bandion-Ortner. Die Niederschrift werde somit ziemlich sicher wie geplant Ende des Jahres fertig sein.

Die Angelobung als Justizministerin dürfte dann Mitte Jänner erfolgen. Diese Verzögerung hat auch eine rein pragmatische Ursache: Denn ein neuer Minister muss binnen sieben Tagen dem Parlament vorgestellt werden. Und der erste Sitzungstag im neuen Jahr ist erst am 21. Jänner.

Bandion-Ortner dürfte auch klar sein, dass ein Ministerjob keiner für die Ewigkeit ist. Der Abschied vom Gerichtssaal am Montag war ein wenig wehmütig, aber sie weiß auch: "Wenn es so weit ist, werde ich sicher gerne wieder zurückkommen." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD Printausgabe, 16. Dezember 2008)