Wien - Vor fast genau vier Jahren brachte Sonja Kohn, 75-Prozent-Eignerin und Aufsichtsratspräsidentin der Bank Medici AG, die Sache auf den Punkt: "Wenn man im Bankgeschäft ist, kommen die Dinge auf einen zu", meinte sie zu den Zukunftsplänen der Bank, die zu einem Viertel der Bank Austria gehört. Jetzt ist die Zukunft wegen der Involvierung in die Mega-Affäre Madoff (siehe Artikel links) äußerst trübe - und Sonja Kohn nicht zu erreichen.

Die 60-jährige Wienerin war bisher stolz darauf, mit der Bank Austria den Hedgefonds Primeo-Fund entwickelt zu haben. Abseits jeder Öffentlichkeit ("Ich bin bei meiner Arbeit wahnsinnig gerne unsichtbar") vermarktete Kohn die Fonds - und zwar international und offenbar in Riesenmengen.

1985 an die Wall Street

1985 war Kohn nach New York ausgewandert, gründete mit ihrem Mann die US-Fondsgesellschaft Eurovaleur. An der Wall Street fiel die "sehr, sehr kluge Netzwerkerin" damals zwar nicht auf - nach ihrer Rückkehr nach Wien konnte sie dann aber punkten. Höhepunkt: Als Cerberus 2006 Appetit auf die Bawag bekam, rief man bei Kohn an, um erste Infos zu bekommen.

Was in einem winzigen Büro in der Wiener Singerstraße begann, sollte bald einen traditionsreichen Namen und einen gesellschaftsrechtlichen Rahmen bekommen: 1984 gründete Kohn die Bank Medici - die Bank Austria (damals Länderbank) beteiligte sich mit 25 Prozent: Gerhard Randa war auf Kohn und deren hervorragende Kontakte aufmerksam geworden. Unter dem späteren Wertpapierchef Stefan Zapotocky wurden die Fonds ausgetüftelt.

Investiert in größtem Stil

Die Klientel: Sehr potente Privatkunden aus aller Herren Länder, von Italien über Israel bis hin in den arabischen Raum - investiert wurde in größtem Stil. Über Zahlen spricht Kohn ("Man muss mehr tun als reden") in der Öffentlichkeit kaum, in einem Interview für Voice of Russia im Juni 2008 tat sie es: "Wir haben 3,7 Mrd. in unseren eigenen Fonds", man müsse daher international informiert sein.

Vorgestellt wurde Kohn, die eine große Familie hat, in Russland als "Beraterin der Regierung". Beraten hat sie auch die Wiener Börse - als sie von Zapotocky geführt wurde. In der Bank selbst wird am Freitag der Aufsichtsrat tagen - ihm gehören übrigens die Ex-Minister Ferdinand Lacina und Johann Farnleitner sowie Philip Göth an. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.12.2008)