London - Sein ehemaliger Chef war äußerst zufrieden mit Mohamed Ali Harrath. "Er hat einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, feindliche Einflüsse durch Al-Kaida im Vereinigten Königreich zu besiegen", lobt Robert Lambert, früher Leiter der "Muslim Contact Unit" bei Scotland Yard seinen ehemaligen Berater. Das Problem: Harrath steht auf der Interpol-Liste von Terrorverdächtigen weit oben, berichtet die Londoner Times.

Der 45-jährige Harrath ist nicht erst in jüngster Vergangenheit auf die Fahndungsliste gelangt. Seit 1992 sucht ihn die tunesische Polizei. Drei Delikte werden ihm vorgeworfen: Fälschung, Verwendung von Waffen oder Sprengstoffen und Terrorismus.

Hintergrund

Der Hintergrund, berichtet die Times: Harrath habe in seiner Heimat die "Tunesische Islamische Front" (TIF) mitgegründet. Und angeblich auch versucht, von Osama bin Laden Unterstützung für einen revolutionären Umsturz in dem von manchen als totalitären Ein-Parteien-Staat kritisierte Tunesien zu bekommen.

Harrath selbst bestreitet alle Vorwürfe. Die TIF sei eine gewaltlose politische Partei, die nie in irgendwelche terroristischen Aktivitäten involviert gewesen sei. Allerdings stellt er im Gespräch mit der britischen Tageszeitung auch klar, dass "nichts falsch oder kriminell daran ist, wenn man versucht einen islamischen Staat zu gründen."

Dass der Mann, der Manager des TV-Senders "Islam Channel" ist, in Tunesien zu 56 Jahren Haft verurteilt worden ist, müssen die Briten gewusst haben: der Maghrebstaat hatte 1997 ein Auslieferungsabkommen gestellt. Was Scotland Yard nicht davon abgehalten hat, ihn regelmäßig zu kontaktieren, wenn es um Ratschläge im Kampf gegen islamischen Extremismus ging. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 16.12.2008)