Fohnsdorf - AT & S, der Leiterplattenkonzern, zog vor knapp drei Jahren weg, zuvor hatte sich schon Siemens verabschiedet. Das ergab unterm Strich ein Minus an Kommunalsteuern von gut 900.000 Euro. Und auch die Einwohnerzahl schrumpfte hier im obersteirischen Fohnsdorf - wie in so vielen anderen alten Industrieorten. Fazit: Weniger Konsum, weniger Mehrwertsteueranteile, weniger Ertragsanteile beim Finanzausgleich. Unterm Strich, sagt SP-Bürgermeister Johann Straner, stünden zwei Mio. Euro weniger Einnahmen einer Mio. Euro an Mehrausgaben (etwa für den Sozialhilfeverband) gegenüber.

Hilfe vom Land

Seiner Einschätzung nach brauchen zwei Drittel, also rund 360 der 542 steirischen Gemeinden, Hilfe vom Land, um ihre Ortsbilanzen aufrechterhalten zu können. Straner: "Eine der betroffenen Gemeinden hat etwa nur 1000 Einwohner und braucht pro Jahr 300.000 Euro, damit sie einen Haushalt zusammenbringt." Fohnsdorf, achtmal größer, braucht von Landeshauptmann Franz Voves jährlich 400.000 Euro.
Fohnsdorf ist exemplarisch für die alarmierende Finanzsituation der österreichische Gemeinden. Den Kommunen brechen - wie dem ehemaligen Bergwerksort - die alten Finanzierungspfeiler weg, und in dieser Situation versuchen die Bürgermeister, irgendwoher Geld hereinzuspielen. Die einen zocken (siehe Hartberg), andere probieren es auch über Großprojekte - mit dem Risiko hoher Verschuldung.

Gefährlicher Seiltanz

Wie Fohnsdorf, das jetzt die ganze Hoffnung in eine Therme legt. Fohnsdorf musste das Projekt - weil Sponsoren absprangen - fast alleine durchziehen. Ein gefährlicher Seiltanz.
Fohnsdorfs Gesamthaushalt beträgt rund 21 Mio. Euro. Die Therme kostete 26 Mio. Euro, für 20 Mio. kam Fohnsdorf auf. "Nein, übernommen haben wir uns nicht" , wehrt Straner Kritik ab, "die Frage stellt sich gar nicht, denn wo ist die Alternative? Wir müssen Lebensqualität produzieren, vom Kindergarten bis zum Pflegeheim. Dafür werden wir dauernd geprügelt, wir sind richtig arme Schweine. Soll uns wer sagen, wie man es besser macht." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2008)