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Polizei im Einsatz

Foto: APA/KARL NIKOWITZ

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Anrainer haben die Szenen fotografiert

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Wien -In Wien-Favoriten ist Mittwoch früh ein Mann im Zuge einer Verfolgungsjagd von Polizisten angeschossen worden. Insgesamt gaben die Beamten zwölf Schüsse ab. Dabei wurde der 48-Jährige viermal getroffen und schwer verletzt. Er erlitt Verletzungen am Oberarm, Unterschenkel sowie an der rechten Schulter, berichtete Oberstleutnant Gerhard Haimeder vom Landeskriminalamt. Zuvor hatte der Mann zwei Polizisten mit einem Besenstil und einem Messer attackiert. Dabei wurde einer von ihnen am Jochbein schwer verletzt. Warum der 48-Jährige bei einem eigentlich "harmlosen" Einsatz so ausgerastet ist, ist noch ein Rätsel erklärte Oberstleutnant Gerhard Haimeder .

Wohnungsüberprüfung

Der Vorfall ereignete sich gegen 8.00 Uhr. Die Beamten wurden ursprünglich wegen Lärmbelästigung und Müllablagerungs-Problemen von Magistratsmitarbeitern in den Gemeindebau gerufen. Bei der Gemeindebauverwaltung "Wiener Wohnen" sei eine Beschwerde wegen des Zustands des Appartements eingelangt. Diesem wollten ein Verwaltungsmitarbeiter sowie ein Bediensteter des Gesundheitsamtes am Mittwoch nachgehen. Der Mann habe den Mitarbeitern bei der Überprüfung der Wohnung allerdings Schwierigkeiten bereitet, erklärte Hanno Csisinko, Sprecher von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ). Der Mann habe die Verwaltungsmitarbeiter beschimpft und auch angegriffen. Die Kontrolleure suchten daraufhin die nächste Polizeistation auf und zwei Beamte wurden losgeschickt.

Angriff mit Besen und Drohung mit Messer

Im Innenhof der Anlage sprachen die Polizisten den 48-Jährigen an und forderten ihn auf, seinen Hund anzuleinen. Daraufhin griff dieser zum Besen und ging sofort auf die Beamten los. Ein Beamter wurde  mit dem Stiel im Gesicht getroffen. Der Beamte erlitt dabei eine Jochbeinprellung sowie eine Platzwunde unter dem linken Auge, berichtete Oberstleutnant Gerhard Heimeder vom Landeskriminalamt. Anschließend zückte der Mann ein ein Bundesheer-Messer mit etwa 16-Zentimeter langer Klinge und bedrohte erneut die Ordnungshüter und lief schließlich die Troststraße entlang.

Schreck- und Warnschüsse

Die Uniformierten verfolgten den Mann und versuchten ihn mit mehreren Schreck- und Warnschüssen zum Anhalten zu bewegen, berichtete Oberstleutnant Gerhard Haimeder. Die Männer wechselten zwischen Passanten, der Straßenbahn und Fahrzeugen ständig die Straßenseite. Der 48-Jährige habe sein Messer dabei immer wieder gegen die Polizisten gerichtet.

Da der Mann keine Anstalten zum Stehenbleiben machte und "ständig weiter mit dem Messer drohte", zielten die Polizisten auf ihn. Nach den vier Treffern blieb er im Bereich der Van-der-Nüll-Gasse blutend stehend. Auf der Gleisanlage wurde er schließlich überwältigt.

Auto angeschossen

Während der Verfolgungsjagd trafen die Polizisten ein fahrendes Auto. Dabei wurden die beiden seitlichen Hinterscheiben beschädigt. Zum Glück befanden sich keine Personen auf der Rückbank. Der Lenker blieb unverletzt. Im Zuge des Einsatzes wurden Straßenbahnzüge der Linie O und Linie 67 umgeleitet bzw. kurz geführt.

Alptraum für einen Beamten

Eine Verfolgungsjagd im dicht verbauten Gebiet mit vielen Passanten, nach der Verletzung eines Kollegen. Das ist der Alptraum jedes Beamten", so Oberstleutnant Gerhard Haimeder.  Er verteidigte die Abgabe von zwölf Schüssen, die unter anderem auch in Fahrzeugscheinwerfern oder einer Hausmauer stecken blieben. "

"Der Polizeibeamte musste reagieren", betonte Haimeder. "Meiner Meinung nach hat der Beamte das richtig gemacht. Wenn er (der Angreifer, Anm.) einen Beamten wegen einer harmlosen Amtshandlung niederschlägt, was macht er da erst bei einem Passanten?" Entscheiden werde über die Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs allerdings die Staatsanwaltschaft.

Pfefferspray zeigte keine Wirkung

Der Pfefferspray der zuerst gegen den 48-Jährigen eingesetzt wurde, habe wegen des Windes seine Wirkung verfehlt, erklärte der Beamte. Darum hat der Beamte "als psychisches Mittel" Schreckschüsse abgegeben. "Als das alles nicht geholfen hat, hat er gezielt", so Haimeder. Vier Kugeln habe der Mann nur deshalb abbekommen, weil die ersten Treffer keinerlei Reaktion hervorriefen. Für den 48-Jährigen bestand laut Polizei keine akute Lebensgefahr. Der Mann wurde am Mittwoch allerdings noch im Unfallkrankenhaus Meidling operiert. Der Mann konnte noch nicht einvernommen werden. Der verletzte Polizist wurde nach der Behandlung in die häusliche Pflege entlassen.

Unmut bei den Anrainern.

Für großen Unmut sorgten der Vorfall bei den Anrainern. Wütend machte die Bürger vor allem das Polizeiaufgebot: "Entschuldigen Sie, was bezwecken Sie mit den Absperrungen und was ist der Grund dafür, dass man als mündige Bürgerin nicht erfahren darf, was los ist?", polterte ein ältere Dame die vor Absperrungen platzierten Polizisten an. (APA)