Bild nicht mehr verfügbar.

Nach zuvor 1,0 Prozent nahm die US-Notenbank die Zinsspanne auf null bis 0,25 Prozent zurück.

Foto: Reuters/Romeo Ranoco

Die Strategie ist nicht ohne Risiko - mit der Zinssenkung auf faktisch null Prozent hat die US-Notenbank (Fed) ihr Pulver nahezu verschossen. Nach zuvor 1,0 Prozent wurde die Zinsspanne am Dienstag auf null bis 0,25 Prozent zurückgenommen. Das ist das niedrigste Niveau seit 1971, als erstmals ein Zinsziel für Tagesgeld festgelegt wurde. Eine neue Ära beginnt, die Gefahr einer Blase ist allerdings brisant wie lange nicht.

Für die Amerikaner wird es nun freilich billiger, Kredite aufzunehmen und offene Hypotheken zu bezahlen. Ob die Rechnung aufgeht, ist zu bezweifeln. Wahrscheinlich ist, dass viele Menschen nach wie vor davor zurückschrecken, sich Geld zu borgen - zu groß ist die Angst um den Zustand der Wirtschaft und vor dem möglichen Verlust des Arbeitsplatzes.

Sprich, die Risiken eines Abgleitens der US-Wirtschaft in eine deflationäre Krise werden als zu hoch eingeschätzt, da kann die Fed noch so sehr Liquidität in die Märkte pumpen und alle Rücksichten fallen lassen. Schlimmer noch, die US-Notenbank ist heute an einem Punkt angelangt, an dem der Leitzins seine Steuerungsfunktion verliert. Immerhin lockerte sie die geldpolitischen Zügel innerhalb von nur 16 Monaten um mehr als fünf Prozentpunkte - das Ziel, die Wirtschaft zu stützen und den eingefrorenen Kreditmarkt aufzutauen, schlug bislang fehl.

Die Zinssenkung ist demnach nicht mehr und nicht weniger als eines der mutigsten Experimente der Fed in ihrer 94-jährigen Geschichte. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 17.12.2008)