Christoph Stadlhuber: "Gemessen an den Baukosten sind die Ausgaben für Kunst vertretbar. Würden wir das Budget für die Kunstprojekte streichen, wären die finanziellen Effekte sehr gering."

Foto: BIG

Mit dem BIG-Chef sprach Gerhard Rodler.

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STANDARD: Wie viel wendet die BIG jährlich für Kunst am Bau auf?

Stadlhuber: Bei der BIG werden drei bis fünf Kunst-Projekte pro Jahr realisiert, die in einer Größenordnung zwischen 100.000 und maximal 250.000 Euro pro Projekt liegen. Finanziert werden sie aus den Konzernumsatzerlösen der BIG. Für den einzelnen Mieter entstehen damit keinerlei Mehrkosten. Die ersten Gehversuche in diesem Bereich vor einigen Jahren liefen noch unter dem Titel "Kunst am Bau". Heute lassen wir die Projekte unter "BIG Art und Architektur" laufen.

STANDARD: Warum die Namensänderung?

Stadlhuber: Der Grund für die Änderung ist die gleichwertige Koexistenz von künstlerischer Gestaltung und baulicher bzw. technischer Ausführung. Wichtig dabei ist die möglichst frühe Einbindung der Künstler in die Projekte. Nur so können wir gewährleisten, dass eine einheitliche Identität gegeben ist. Im besten Falle ergänzen Kunst und Architektur einander.

STANDARD: Rein rechtlich betrachtet ist die BIG nicht zur Kunst verpflichtet. Was ist die Motivation?

Stadlhuber: Die öffentliche Hand hat den klaren Auftrag, Kunst zu fördern. Da wir als derzeit hundertprozentige Tochter der Republik Österreich sind und somit auch mit Steuergeldern wirtschaften, sehen wir uns ebenfalls in dieser Pflicht. Wir sehen Kunst als gesellschaftspolitische Verantwortung, daher übernehmen wir das gerne.

STANDARD: In den zurückliegenden Monaten sind die Baukosten drastisch gestiegen. Welche Auswirkungen hat das auf BIG Art?

Stadlhuber: Die BIG investiert pro Jahr mehr als 300 Millionen Euro in Bauprojekte. Gemessen an diesen Summen sind die Ausgaben für BIG Art absolut vertretbar. Würden wir das Budget für die Kunstprojekte streichen, wären die finanziellen Effekte sehr gering.

STANDARD: Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Einsatz von Kunst auf den Konzern?

Stadlhuber: In Wahrheit keine. Einzelne Kunstwerke in unserem Portfolio sind mit Sicherheit einiges wert, ich denke da nur an Max Weiler, Hubert Schmalix und Bruno Gironcoli. Manche Kunstwerke haben sogar einen Wert von mehr als 100.000 Euro. Das sind vorsichtige Schätzungen unserer Kunstverwaltung. Wir führen zurzeit eine Art Kunstinventur durch, um überhaupt einmal zu erheben, welche Kunstprojekte in unseren insgesamt 3000 Objekten tatsächlich hängen, liegen, stehen oder darin jemals abgewickelt wurden. Aber nachdem wir nicht vorhaben, diese Kunst jemals zu veräußern, ist die Erhebung nur für uns intern relevant.

STANDARD: Wer wählt die Künstler aus?

Stadlhuber: Zunächst geht es darum auszuwählen, welcher Bau für ein Kunstprojekt am besten geeignet ist. Diese Entscheidung liegt bei unseren Experten. Im Zuge eines geladenen Gutachterverfahrens entscheidet dann eine Jury - bestehend aus BIG-Art-Gremium, Projektarchitekten, externen Kunstsachverständigen und Vertretern des jeweiligen Mieters - über die Auswahl des besten Kunstprojekts. Gelegentlich arbeiten wir auch mit Agenturen zusammen. Wichtig ist eine gesunde Mischung. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.12.2008)