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Ob der Uniformierte korrekt in Notwehr gehandelt hat, damit muss sich nun die Staatsanwaltschaft beschäftigen

Foto: APA / Karl Nikowitz

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Beamte der Sondereinheit Wega nahmen den verletzten Verdächtigen auf der Wiener Troststraße schlussendlich fest. Er soll zuvor einen Polizisten schwer verletzt haben

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Ein 48-jähriger Wiener soll bei einer Kontrolle durchgedreht haben. Er verletzte einen Beamten und bedrohte laut Polizei einen zweiten mit einem Messer. Ob die Schüsse auf ihn gerechtfertigt waren, wird jetzt ermittelt - Michael Möseneder

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Wien - Acht neongelb leuchtende Kreise sind um die Metallhülsen gesprüht, die auf dem Gehsteig der Troststraße in Wien-Favoriten liegen. Sie stammen aus der Dienstwaffe eines Polizisten, der am Mittwochmorgen mit seiner Glock auf einen 48-jährigen Wiener geschossen und ihn in Arme und Beine getroffen hat. Der Mann soll zuvor einen Kollegen des Polizisten schwer verletzt haben.

Gegen acht Uhr begann die Amtshandlung, schildert Gerhard Haimeder vom Wiener Landeskriminalamt. "Die beiden Beamten wurden wegen Lärmerregung und einem Problem mit Müll in das Haus gerufen", deutet er auf einen Gemeindebau aus den Zwanzigerjahren, der den Block zwischen Van-der-Nüll-Gasse und der Leebgasse einnimmt.

Besuch von Magistratsbeamten

Angefordert wurden die Polizisten von Magistratbeamten, die die Wohnung von Stefan B. nach Beschwerden überprüfen wollten. Es kam zu Schwierigkeiten, der Mann wurde aggressiv. Als die Exekutive im Hof des Gemeindebaus eintraf, eskalierte die Situation. "Der Mann hat einem Beamten mit einem Besenstiel ins Gesicht geschlagen", sagt Haimeder. Das Opfer soll dabei einen Jochbeinbruch erlitten haben.

Pfefferspray erfolglos

Der Einsatz von Pfefferspray scheint erfolglos gewesen zu sein, das Geschehen verlagerte sich auf die Troststraße, eine wichtige Durchzugsstraße im Süden Wiens. Dort soll der Mann plötzlich den Stock fallengelassen und ein langes Messer gezogen haben. Mit diesem rannte er auf den Polizisten los, wich dann aber wieder zurück. Der Beamte versuchte die Passanten zu vertreiben und gab Warnschüsse in die Luft ab, beschreibt Haimeder die Situation.

Entscheidung zur Waffe
"Der Kollege musste dann die Entscheidung treffen, ob er von seiner Schusswaffe Gebrauch macht oder riskiert, dass ein Passant vom Täter attackiert wird."

Die Entscheidung fiel auf Zweiteres. Mindestens drei Kugeln verfehlten den Verdächtigen, ihre Spuren waren Dienstagmittag noch zu sehen. Neben der Auslagenscheibe des Friseurs "Ephesos" steckt ein Projektil in der Wand, ein geparktes Auto hat ein Einschussloch am linken Rücklicht. Unbeteiligte wurden zum Glück nicht verwundet.

Vier Kugeln trafen

Vier Kugeln trafen den tobenden Mann an Schulter, Oberarm und Unterschenkel, er wurde dabei nicht lebensgefährlich verletzt. Ob vier Treffer, um einen Verdächtigen zu stoppen, nicht relativ viele sind? „Das kann ich nicht beurteilen, es ist natürlich denkbar, dass der Getroffene zunächst nichts gespürt und der Beamte daher weiter gefeuert hat, da er keine Wirkung bemerkte", sagt Haimeder.

Ob der Uniformierte korrekt in Notwehr gehandelt hat, damit muss sich nun die Staatsanwaltschaft beschäftigen. Welche, ist allerdings noch offen. "Bei Ermittlungen gegen Polizisten und auch Richter wird das Verfahren von der Oberstaatsanwaltschaft grundsätzlich in ein anderes Bundesland im Sprengel, hier also Niederösterreich oder das Burgenland, übertragen", erklärt Gerhard Jarosch, Sprecher der Wiener Anklagebehörde.

Schusswaffengebrauch

Daher ist Wien auch für den jüngsten tödlichen Schusswaffengebrauch eines Polizisten zuständig. Im August tötete ein Beamter in der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Wetzelsdorf einen mutmaßlichen Motorraddieb, der eine Straßensperre durchbrochen hatte. "Dieser Akt liegt noch bei einem Kollegen, ein Bericht fehlt noch", sagt Jarosch.


Ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist die Untersuchung der fatalen polizeilichen Schüsse auf einem niederösterreichischen Parkplatz. Der Mann soll sich als falscher Polizist ausgegeben haben. Widersprüchlich waren die Entscheidungen nach dem gewaltsamen Tod eines Amok fahrenden Lkw-Lenkers in Wien. Die Staatsanwaltschaft stellte die Verfahren gegen die Beamten ein, der Unabhängige Verwaltungssenat entschied allerdings zweimal, dass der Schusswaffengebrauch unzulässig gewesen sei. (Michael Möseneder/ DER STANDARD Printausgabe 18.12.2008)