Wien - Wenn man in Europa über einen hohen Ausländeranteil diskutiert, dann tut es gut, einen Blick nach Luxemburg zu werfen: Dort sind bereits 42,6 Prozent der Bevölkerung Ausländer, dazu kommt, dass jeden Tag 120.000 Grenzgänger, fünfmal so viele wie vor 30 Jahren, nur zum Arbeiten einreisen. Kein Wunder, dass Marc Hayot vom luxemburgischen Ministerium für Familie und Integration von vielen Anrufen gestandener Luxemburger berichtet, die "Schwierigkeiten damit haben, die luxemburgische Identität zu verlieren" .

Hayot sieht das bei seinem Auftritt bei einer Diskussion des Europäischen Migrationsnetzwerks am Mittwoch in Wien dennoch gelassen: Auch wenn man in Luxemburg damit rechnet, dass die Ausländer spätestens 2050 die Mehrheit stellen werden, "müssen wir doch sagen, dass wir sehr zufrieden sind" , weil nämlich erstens 86 Prozent der Zuwanderer aus der EU (vornehmlich aus Portugal) kommen und weil sie zweitens katholisch sind. In ganz Luxemburg gibt es nur 10.000 Muslime, betont Hayot.

Und er unterstreicht, wie sehr man bemüht ist, jene zu integrieren, die wirklich bleiben wollen. Dafür gibt es ein eigenes Gesetz, das im Januar in Kraft tritt - mit der Kernforderung, dass Zuwanderer einen Integrationsvertrag unterschreiben müssen, der unter anderem zur "Teilnahme am sozialen Leben" des Aufnahmelandes verpflichtet. Und zum Erwerb einer Landessprache, wobei dem Luxemburgischen der Vorrang gegeben wird, weil dieses den späteren Erwerb der Staatsbürgerschaft erleichtert.

Die Migrationsforscherin Gudrun Biffl merkt dazu an, dass in Europa (aber eben auch in Österreich) viel zu wenig erforscht wird, wie sich die Verschiebung der Bevölkerung (etwa eine "Ukrainisierung Spaniens" ) tatsächlich auswirkt. Biffl erwartet, dass die Migrantenströme durch die Wirtschaftskrise noch verstärkt werden - obwohl im hoch entwickelten Europa die meist schlecht qualifizierten Zuwanderer besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sein werden. Aber in anderen Weltgegenden würden diese minderqualifizierten Personen noch unter viel stärkeren Druck kommen, daher würden sie eben zu uns drängen.
Alexander Janda vom Integrationsfonds meint, dass in der Debatte die wichtigste Zielgruppe vernachlässigt werde: die Mehrheitsgesellschaft, der man nahebringen müsse, welche Zuwanderer wirklich gebraucht werden. (cs, DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2008)