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NBC setzt 2009 auf den Mann mit dem markanten Kinn und dem großen Mundwerk: Talker Jay Leno.

Foto: AP/Lisa Poole

Es war eine gute Woche für Jay Leno: Da war einmal der peinliche Patzer des korrupten Gouverneurs von Illinois, Rod R. Blagojevich, über den es gut zu witzeln galt. Zusammen mit der Schuh-Attacke gegen George W. Bush muss das dem Talker wie Weihnachten und Neujahr an einem Tag vorgekommen sein: "Damit er nicht getroffen wird, hat Bush etwas gemacht, was er noch nie zuvor getan hat: Er hat sich nach links gelehnt", scherzte Leno gut gelaunt und fragte keck, ob sich der Secret Service nicht auf den zweiten Schuh hätte werfen sollen.

Der 58-Jährige darf auch sonst guter Dinge sein. Nachdem Leno vor drei Jahren seinen geordneten Rückzug aus der "Tonight Show" mit 2009 ankündigte, überraschte der Sender jetzt mit der Nachricht, der Talker beglücke ab Herbst 2009 nicht nur einmal, sondern gleich fünfmal pro Woche sein Publikum. Zudem witzelt Leno nicht mehr spätnachts, sondern schon um 22 Uhr. Die "Tonight Show" übernimmt wie geplant Conan O‘Brien. NBC bindet den Quotengaranten enger an sich, weil die Zeiten schlechter werden. Der Autorenstreik kostete die Branche rund 1,7 Milliarden Euro. Während Hochglanzserien wie "LA Law" oder "Emergency Room" durchschnittlich pro Folge zwei Millionen Euro verschlingen, ist Leno im Vergleich dazu mit kolportierten 1,4 Millioinen pro Woche nahezu ein Schnäppchen.

Am eigenen Untergang

Umso kritischer sehen die Maßnahme die Kreativen: "Sie arbeiten hart an ihrem eigenen Untergang", sagte ein Fernsehschaffender. Das Risiko ist tatsächlich beträchtlich: Noch nie wagte sich ein US-Sender mit einem täglichen Talk-Format in die beste Sendezeit.  Der 22-Uhr-Termin ist im amerikanischen Fernsehen fest an Serien vergeben.

Dass Lenos Fünftageprogramm gar auf einen grundlegenden Wandel im Fernsehkultur hindeute, glaubt deshalb die "New York Times": Geänderte Fernsehgewohnheiten durch das Internet könnten das in den USA seit 50 Jahren unumstößlich scheinende Programmschema erstmals brechen. Branchenkenner sehen den amerikanischen Serienmarkt ohnehin schon an Terrain verlieren. Jüngste Neustarts enttäuschten, zudem droht neuerdings Konkurenz aus Kanada. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2008)