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Am Wochenende ist mit Schneefall und orkanartigen Böen zu rechnen

APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Innsbruck - Erstmals in dieser Wintersaison hat am Sonntag in ganz Nordtirol "große" Lawinengefahr geherrscht. Aufgrund der bis 1.700 Meter Höhe hinaufreichenden, teils intensiven Regenfälle musste in "allen Hanglagen" mit Nassschneelawinen gerechnet werden, teilte der Tiroler Lawinenwarndienst mit. Die Verhältnisse für den Wintersportler wurden als "ungünstig" bezeichnet. In Osttirol wurde die Lawinengefahr auf Stufe 3 (erheblich) auf der fünfteiligen Skala angesetzt. 

Warnung vor "spontan abgehenden" Schneebrettern

Von der Verschüttung durch Nassschneelawinen seien auch exponierte Straßenbereiche gefährdet. Vor "spontan abgehenden" Schneebrettlawinen wurde vor allem auf nord- über südöstlich bis hin zu südwestlich gelegenen Hangrichtungen gewarnt. Besonders vom Arlberggebiet über das Außerfern bis hin zu den Nordalpen könnten diese bis 2.200 Meter Höhe auftreten. In Osttirol seien nach wie vor abgleitende Schneemassen auf steilen Wiesenhängen die Hauptgefahr.

Durch den Regen habe die Schneedecke massiv an Festigkeit verloren, erklärten Lawinenexperten am 4. Adventsonntag. Dadurch könne sie leicht von selbst abgleiten. In den Gebieten rund um den Arlberg, das Außerfern bis zu den Nordalpen habe sich zudem am vergangenen Freitag eine Eiskruste als störanfällige Gleitfläche bis etwa 2.200 Meter Höhe gebildet. Die Verbindung von Triebschnee mit Neuschnee nehme mit ansteigender Seehöhe ab, die Störanfälligkeit zu.

Mit dem Abklingen der Niederschläge wurde eine "rasche Besserung" vorausgesagt. Für den Wochenstart wurde mit einer "erheblichen" Lawinengefahr gerechnet, am Dienstag sogar mit einer "mäßigen" (2. Stufe).

Straßensperren

Wegen Lawinengefahr gesperrt waren laut ÖAMTC am Sonntag die Kössener Straße (B176) zwischen Kössen und St. Johann in Tirol in beiden Richtungen. In Osttirol waren die Rajach-Landesstraße (L74) zwischen Rajach und Hopfgarten und die Sankt Veiter Straße (L358) in beide Richtungen nicht befahrbar. Kurzfristig wegen Lawinengefahr gesperrt war in den Morgenstunden auch das "hintere Zillertal", teilte ein Sprecher der Verkehrsinformationszentrale.

Schneebrett schüttete Straße im Bregenzerwald zu

In Vorarlberg oberhalb von 1.600 Metern herrscht erhebliche Lawinengefahr der Stufe 3. Am Samstag waren bei starkem Höhenwind 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee dazugekommen. Ein Schneebrett hat Sonntag früh in Warth (Bezirk Bregenz) die Bregenzerwaldstraße (L200) auf einer Länge von 20 Metern rund eineinhalb Meter hoch verlegt. Die Bergrettung führte mit zehn Personen eine Suchaktion durch, konnte nach der Sondierung des Lawinenkegels aber Entwarnung geben, informierte die Sicherheitsdirektion. Es kam niemand zu Schaden.

Das Schneebrett ging zwischen 4.15 Uhr und 4.30 Uhr im Bereich der Jägeralpe ab. Die Straße war bis 6.30 Uhr gesperrt.

Lawinenabgang in St. Koloman

Bei einem Lawinenabgang in St. Koloman im Salzburger Tennengau ist in der Nacht auf Sonntag niemand verletzt worden. Wegen heftiger Regenfälle hatte sich oberhalb einer Häusergruppe eine 480 Quadratmeter große, mit Schnee vermischte Schlammmasse gelöst. Sie stoppte bei einer Hauswand und drückte laut Sicherheitsdirektion ein Fenster ein. "Häuser und Menschen sind nicht in Gefahr", sagte der Tennengauer Katastrophenreferent Siegfried Stöckl zur APA.

Die Nass-Schneelawine hatte sich gegen 23.40 Uhr im Bereich des "Wiesenweges" gelöst. Sie durchstieß einen Holzzaun und blieb an der Hauswand eines 63-jährigen Mannes stehen. Der besorgte Hausbewohner alarmierte die Freiwillige Feuerwehr St. Koloman. Die Einsatzkräfte räumten die verstopften Abflüsse der Wasserablaufkanäle frei und schöpften den Schnee weg, der das Fenster verbarrikadiert hatte.

Der Hang wurde von den Feuerwehrleuten notdürftig abgesichert. "Jetzt werden Techniker kommen, sie entscheiden, welche weiteren Maßnahmen zum Schutz der Siedlungshäuser getroffen werden", sagte der Katastrophenreferent am Sonntagvormittag. "Die Bewohner dürfen in ihren Häusern bleiben." Mit der rund acht Meter breiten und 60 Meter langen Lawine sei viel Schlamm und Wasser heruntergekommen. Die Feuerwehr war in der Nacht mit zwei Fahrzeugen und zehn Männern am Einsatzort. (APA)